Die Sache mit dem Zoll

Das einzige, was bei der Trans-Nord-Amerika Reise nicht richtig lief, war die Einfuhr von meinem Motorrad nach Amerika. Das war eine Geschichte für sich, die ich hier erzählen möchte.

Für den Transport des Motorrades von Deutschland nach USA wählte ich DHL. Die angebotene Dienstleistung hörte sich echt gut und nach einem rundum sorglos Paket an. Abgabe in Frankfurt und Abholung in Anchorage, um alles dazwischen kümmert sich DHL inklusive Zoll.

Mit diesem großen Partner im Rücken landeten wir zuversichtlich am Donnerstag in Anchorage. Da wir davon ausgingen, dass das Motorrad schon abfahrtbereit auf mich wartete, gingen wir erst mal ganz entspannt ins Hotel und ließen es langsam angehen. Am Freitag holten wir zunächst Julias Mietmotorrad und fuhren dann zusammen die 4 km auf der West International Airport Road zum Flughafen zu DHL. Und die große Überraschung, die Adresse war falsch, kein DHL.  Die Firma an der Adresse hatte aber eine andere Anschrift für uns. Also wieder die 4 km über die West International Airport Road in die Stadt. Aber auch hier kein DHL, wir sollten ein paar Tage später aber wieder zu dieser Adresse zurück kommen. Hier bekamen wir keine exakte Anschrift, aber uns wurde ein Plan aufgemalt, wo DHL sein soll. Auf halber Strecke an der West International Airport Road zum Flughafen. Dort konnten wir nichts finden und fuhren noch mal zum Flughafen. Wir suchten bei den anderen Logistik-Unternehmen UPS und FedEx. Aber niemand dort wusste etwas von DHL. Der Versuch DHL USA und DHL Deutschland anzurufen endete auf der Mailbox. Aber immerhin hat jemand auf seinem Smartphone die Adresse von DHL in Anchorage herausgefunden. Die Anschrift stimmte mit der Zeichnung, die wir zuvor erhalten hatten überein. Na mal sehen ob wir diesmal etwas finden. Es ging wieder über die West International Airport Road. An dem Gebäude gab es kein DHL Schild, wir sind einfach mal rein und waren richtig.

Die Begrüßung „Na endlich, wir haben schon gewartet“ war ja schon fast frech. Und hier die nächste Überraschung, das Motorrad steht noch im Zoll. Mir wurde ein Stapel Papier überreicht mit dem ich zum Zoll sollte um einen Stempel zu holen. Ich dachte noch na super, das ist doch Euer Job und das Motorrad sollte doch schon hier stehen. Aber bevor es noch länger dauert fuhren ich lieber selbst zum Zoll. Also sind wir wieder über die West International Airport Road zum Flughafen. Beim Zoll waren keine Beamten verfügbar, die mussten alle ein Flugzeug abfertigen und sollten erst in 1,5 Stunden wieder zurück sein. Nach einem Essen in der Stadt kamen wir zum Zoll zurück. Der Beamte schaute schon ganz mürrisch als er mich am Freitag Nachmittag mit dem Papierstapel sah. Er legte mir eine ganze Reihe Formulare vor, die ich alle ausfüllen sollte und erklärte was noch alles fehlte. Unter anderem sollte ich bestätigen, dass das Motorrad den amerikanischen Sicherheitsbestimmungen entspricht, woher soll ich die denn kennen? Ich bat den Beamten, dass er bei DHL anrufen und denen erklären soll, was noch alles fehlt, immerhin haben die versprochen, dass sie sich um alles kümmern.

So fuhren wir wieder über die West International Airport Road zu DHL. Dort wurde uns erklärt, dass der EPA Letter fehlt. EPA ist die Umweltbehörde, die muss bestätigen, dass mein Motorrad nicht die Umwelt verpestet und ins Land darf. Das ist ja ein schlechter Scherz, wenn ich mir die amerikanischen, spritfressenden Pickups anschaue. DHL versuchte bei der EPA  anzurufen, die sitzen aber an der Ostküste und da war, wegen der Zeitverschiebung, schon Wochenende. DHL hat eine Mail mit der Beantragung geschrieben.

Also vor dem Wochenende kein Motorrad und warten bis Montag, na super. Über das Wochenende fuhren wir auf einer Maschine nach Seward. Das blöde war, dass auch die Campingausrüstung im Motorrad war und wir somit in teure Hotels mussten. Zum Glück hatten wir schon Julias Motorrad.

Am Montag sind wir direkt zu DHL und es ging weiter mit schlechten Nachrichten. DHL durfte den EPA Letter nicht beantragen, das musste ich selbst tun. Also kopierten wir die Mail von DHL und versendeten sie von meinen Mail-Account. Die Antwort kam prompt, so geht das nicht, der Antrag muss von mir persönlich unterschrieben sein. OK, Mail ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und als PDF per Mail verschickt. Auf meine Frage, wie lange es dauert, erhielt ich zunächst keine Antwort. Wir konnten nur noch warten. Am Dienstag Morgen um 5:30 Uhr bekam ich eine Mail, die Bearbeitung meines Antrages dauert 7-10 Werktage. Ich fühlte mich wie gelähmt und fassungslos. Ich sendete per Mail einen Hilferuf an DHL Deutschland und USA, so lange können wir nicht in Anchorage warten. DHL USA meinte „Gehe nochmal zum Zoll, wenn da der gleiche Typ ist wie am Freitag, verschwinde, sonst versuche es noch mal“. Also fuhren wir mal wieder über die West International Airport Road zum Flughafen und es war ein anderer Zoll-Beamte da. Eine Frau, die sich unsere Geschichte anhörte. Sie meinte, sie dürfe das Motorrad ohne den EPA Letter nicht frei geben. Sie zeigte mir einen EPA Letter und siehe da, er war für eine GS. Ich sagte Ihr, dass ich genau dieses Motorrad habe und sie rief bei der EPA an. Allerdings lies sich der Typ dort nicht erweichen. Kraft seines Amtes dauert es 7-10 Werktage, bis mein Antrag in seinem Stapel von unten nach oben gewandert ist. Danke für die Hilfe, da kann man doch echt einen Hass bekommen.

Die Zoll-Beamtin hatte vollstes Verständnis für uns und das wir nicht 2 Wochen warten können, wenn  Julia nur 5 Wochen Urlaub hat. Sie ging zu ihrem Supervisor um mit ihm Rücksprache zu halten. Und….sie kam mit einem Lächeln zurück. Es gab eine Ausnahmegenehmigung. Ich bekam den lang ersehnten Stempel. Zusätzlich schrieb mir die Zoll-Beamtin noch Ihre Nummer und Ihren Namen auf. Sie meinte, wenn ich unterwegs irgendwelche Probleme habe, solle derjenige sie anrufen. Glücklich fuhren wir wieder über die West International Airport Road zu DHL. Dort wurde alles in die Wege geleitet um das Motorrad vom Zoll ins Warenhaus zu bringen.

Wir fuhren zum Warenhaus und stellten fest, hier waren wir schon mal. Das war die Adresse, an der wir am Freitag als zweites waren. Das Motorrad stand schon vor dem Warenhaus und wartete. Hier erlebte ich wieder etwas unglaubliches. Ich ging rein ins Büro und sagte wer ich bin und das ich mein Motorrad holen wolle. Die knappe Antwort war: Da draußen steht es, nehm es mit. Die wollten keine Papiere, keinen Ausweis und nichts sehen. Da hätte jeder kommen und die Maschine mitnehmen können.

Die Freude auf meiner 800er zu sitzen war groß und endlich ging die Reise richtig los. Als ich in Deutschland zurück war, erfuhr ich, dass jemand bei DHL es verpennt hat den EPA Letter zu beantragen. Auch die anfängliche Aussage von DHL, dass es mit einem Carnet viel einfacher wäre, stellte sich als falsch heraus.

Na ja, das gehört wohl zu einer größeren Reise dazu und ist der Stoff aus dem Geschichten entstehen. Auch wenn das kein Mensch braucht.

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Veröffentlicht unter Motorradtour, Trans-Nord-Amerika

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