Feuer und Eis

Zum Mt. St. Helens, über historische Wege durch die Prärie nach Osten, brennende Wälder und eine kalte Nacht in Montana.

Mt. Rainier

Von Seattle hab ich mich auf den Weg zum Mt. St. Helens gemacht. Dabei bin ich dem Track der WABDR gefolgt den ich im Internet runter geladen habe. Eigentlich wollte ich dem offroad Track folgen, John, der Julias Motorrad geholt hat, meinte aber, dass der südliche Teil sehr technisch mit sehr großen Felsbrocken sei. Ich solle die 25 nehmen, die Empfehlung hab ich auch von den Jungs von Touratech in Seattle bekommen. So folgte ich also dem onroad  Track, der mich zunächst entlang des Mt. Rainier und dann östlich am Mt. St. Helens vorbei führt. Und was für eine tolle Strasse. Das erste mal auf dieser Reise Kurvenspass von morgens bis abends, eine Kurve nach der anderen. Von der 25 kam ich auf die 99, die mich nahe an den Vulkan heran führte. Ein wahnsinns Anblick, ein Berg, bei dem die Hälfte einfach weggesprengt wurde. Als ich da stand und mir vorstellte, welche Kräfte hier gewirkt haben, hat mich die Ehrfurcht gepackt.

Mt. St. Helens

Mt. St. Helens

Mt.St.Helens Zerstörungen



An der Stelle des ersten Aussichtspunkts, der ist schon ganz nahe am Berg, hat eine Familie während des Ausbruchs 1980 gecampt, einige Bilder gemacht und ist dann gerade noch mit dem Leben davon gekommen. Auf der Basis dieser Bilder konnte der Ausbruch sehr gut rekonstruiert werden. Dazu gibt es auf Youtube eine kurze Doku von Arte.
Auf der Strecke habe ich Nathan, einen Biker aus Portland kennengelernt. Er hatte viele Tipps für mich, wo ich noch hin soll, leider fehlt mir die Zeit.

Columbia River

Columbia River

So bin ich nach dem Mt. St. Helens auf die 14 nach Osten. Und plötzlich war ich in einer anderen Welt. Keine grünen Regenwälder mehr, dafür braune Steppen-Landschaft. Und die Temperaturen sind ordentlich gestiegen, in der Spitze auf 37 Grad Celsius. Zunächst ging es entlang des Columbia River, der die Grenze zwischen Washington und Oregon bildet. Das war ganz sehenswert, allerdings hab ich wohl wirklich so einiges verpasst, was mir Nathan ans Herz gelegt hatte.
Nach dem Columbia wurde es flacher und die Landschaft blieb braun. Immer häufiger konnte ich riesige Getreidefelder sehen. Ich habe mich gefragt, wie Washington auf den Slogan „evergreen state“ kommt, die Bilder sprechen eine andere Sprache. Büsche wurden über die Strasse geweht, ein Kojote ist direkt vor mir über die Strasse gerannt, diese Landschaft habe ich hier noch nicht erwartet.

Getreidefeld in Washington

Getreidefelder

evergreen state?

Washington Steppen-Landschaft

Blick nach Oregon


Lewis&Clark Trail Idaho

Immerhin war ich mit der 12 auf einer historischen Route unterwegs: dem Lewis & Clark Trail. Die beiden sind 1803 in Washington D.C aufgebrochen um den Westen zu erkunden.
An einer Baustelle hatte ich noch eine kurze Unterhaltung mit Eldon der in den 60er und 70er mit der Air Force in Deutschland stationiert war und sein Herz an Deutschland verloren hat. Allerdings war er lange nicht mehr in Deutschland, da er beschlossen hatte nicht mehr in ein Flugzeug zu steigen. So ein Beschluss von jemanden der bei der Luftwaffe war, wow.
So freute ich mich wieder auf die Berge und niedrigere Temperaturen, hätte ich es mir nur nicht zu sehr gewünscht…..

Idaho brennt

Idaho brennt

Nach der Grenze zu Idaho kamen wieder die ersten Bäume und es wurde bergiger. Schließlich war ich wieder im Wald und die Strasse schlängelte sich entlang des Flusses Lochsa. Bestimmt eine tolle Landschaft, ich konnte jedoch nur sehr wenig sehen. Aufgrund mehrerer Waldbrände war viel Rauch in der Luft und die Sicht eingeschränkt. Bei meiner Mittagspause hatte ich eine lange Unterhaltung mit Bill. Er meinte das wäre schon seit einem Monat so und einige Brände wären außer Kontrolle. Na toll, so lange in diesem Rauch zu leben, ich hatte jetzt schon das Gefühl eine Raucherlunge zu haben.

Lolo Hot Springs

Auf dem Lolo Pass überquerte ich die Grenze zu Montana und damit zum zweiten mal auf dieser Reise eine neue Zeitzone. Da hier fast kein Rauch war, ging ich kurz nach dem Pass auf einen Campingplatz, mit $5 der günstigste bisher. Die Brände waren aber nicht weit, nach kurzer Zeit war Asche auf dem Zelt zu sehen. Da ich fast den ganzen Tag Rauch hatte, beschloss ich kein Holz zu kaufen und kein Lagerfeuer zu machen. Blöder Fehler. Es wurde recht schnell frisch, kein Problem, ab ins Zelt und noch in meinem Buch gelesen in dem auch Lewis & Clark erwähnt werden, welch Zufall. Nachts dachte ich noch das es doch recht kühl ist. Ich hab mal wieder den Schlafsack ganz zu gemacht und eine Mütze aufgezogen. Und morgens dann, Eis auf dem Zelt und dem Motorrad. Ich wollte es kühler, aber doch nicht so. Beim Frühstück sind mir fast die Finger weg gefroren. Es wurde aber recht schnell warm.

Salat am Abend

Eis am Morgen

Eis am Morgen


Eigentlich wollte ich in Lolo nach Süden und dann über die hohen Pässe zum Yellowstone. Zur Sicherheit erkundigte ich mich erst mal nach den Bränden. Die kurze Antwort: „Montana brennt“. Es wurde mir berichtet, dass es 19 Waldbrände gibt, der größte soll eine Fläche von 200.000 acres haben, was fast 81.000 Hektar sind. Diese Brände würden auch nicht gelöscht werden, man wartet auf den Regen, womit aber erst im Oktober zu rechnen ist. Ein großer Brand soll auch südlich von Lolo sein, Hamilton soll schon evakuiert worden sein. Das liegt auf meiner geplanten Route.
Also Planänderung und weiter im Norden bleiben um nicht noch mehr Rauch einzuatmen.  Das hat anfangs auch geklappt und ich kam durch eine weite Steppen-Landschaft mit viel Getreideanbau. Von den Bergen im Süden konnte ich aber nichts sehen.

Montana Weideland

Montana Steppe

weites Montana


Und dann hatte der Rauch mich wieder. So beschloss ich Strecke zu machen und auf dem schnellsten Weg zum Yellowstone zu fahren. Nach über 500 km hab ich in Livingston in ein Motel eingecheckt. Gute Entscheidung, heute ist Montag, das heißt „Monday night football“. Ich kann beim Blog schreiben American Football schauen 🙂

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Veröffentlicht unter Motorradtour, Trans-Nord-Amerika
6 Kommentare auf “Feuer und Eis
  1. avatar Tine sagt:

    Wow, volles Programm für einen Tag. Du bist doch nicht etwa auf der Flucht;-)

    Lass es Dir weiterhin gut gehen, Tine

    • avatar Marco sagt:

      Nein bin nicht auf der Flucht 🙂
      Das in diesem Artikel beschriebene war in 4 Tagen. Aber heute war ein langer Tag mit 500 km. Das aber nur wegen dem Rauch, vor dem bin ich wirklich auf der Flucht.

  2. avatar Charly sagt:

    und was für ein Spiel hast Du Dir angesehen, die Saisoneröffnung war ja schon letzten Mittwoch und die Dallas Cowboys haben in NY gewonnen 🙂

  3. avatar Micha sagt:

    Wieder mal tolle Bilder und ein interessanter Bericht 🙂
    Wünsch dir noch viele tolle Eindrücke und gute Fahrt!
    Bis denne
    Micha

  4. avatar Harald sagt:

    Hallo,
    haben gerade Kartoffeln und Kopfsalat gegessen. Julia wollte keine Nudeln……
    Mit den Rahmnudeln warten wir bis du wieder da bist !!!!
    Beide (Julia und Patricia) beobachten mich beim Schreiben. Blöd.
    Komm bald und gesund zurück, brauche männliche Unterstützung.
    Fahre demnächst zur Intermot, muss noch die neue GS kaufen !
    Grüße
    Harald und Patricia und Julia

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