Marokko 2009

Afrika ein Traum mit dem Motorrad. Eigentlich war der Plan mit meiner Schwester und meinem Schwager über Marokko, Mauretanien, Senegal nach Dakar und dann nach Bamako in Mali zu fahren. Die Tour haben wir aber aufgrund von Entführungen in Mali abgesagt. Es stand aber noch die Tour mit Holger, den ich 2008 auf der Fähre von Norwegen kennen gelernt habe, im Raum. Und eines Tages kam eine Mail von Holger, dass ich mich mal wieder melden sollte und was mit der Fahrt wäre. Im Betreff stand aber nicht Russland sondern Marokko. Ich war etwas verwirrt und schrieb zurück. Es stellte sich heraus, dass Holger Marcus und nicht Marco die Mail schicken wollte. Mit ihm hatte er eine Fahrt nach Marokko geplant. Er bot mir an mitzufahren und klärte mit Marcus, ob das für ihn auch in Ordnung sei. Marcus hatte auch keine Einwände und so startete am 02. April die Tour nach Marokko.

Gefahrene Strecke

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Bericht

Tag 1

Waiblingen – Nittel 13:00 Uhr – 19:00 Uhr (320km)

Die Reise nach Marokko beginnt. Allerdings war es heute Morgen bewölkt und frisch. Noch nichts zu merken vom angekündigten Frühling. Ich habe noch gemütlich gepackt und um 12 kam die Sonne raus und es wurde warm. Um 13 Uhr ging es dann bei bestem Wetter los. Bei Karlsruhe hatte es sogar über 20 Grad. Die Reise führte mich erstmal nach Nittel an der Grenze zu Luxemburg zu Holger, also in die falsche Richtung, sprich nach Norden. Hier holt uns morgen Marcus mit dem Auto und dem Hänger ab, womit wir dann bis Südspanien fahren. Ich hatte heute einen bunten Mix aus Bundes- und Landstraßen mit zwei kurzen Autobahnetappen. Ich nutze die Gelegenheit und bin über das Johanneskreuz gefahren. Die Pause dort erwies sich als Flop. Espresso gibt es nicht, nur Cappuccino Crema. Das war aber eine schlappe Brühe mit einem Berg Sahne, von Crema nichts zu spüren. Und das für 5,50 Euro. Dafür hat mich abends Holger mit Rotwein und marokkanischem Essen verwöhnt.

Tag 2

Nittel – Malaga 03.04. 10:00 – 04.04. 10:30 (ca. 2200km )
Malaga – Algeciras 11:30 Uhr – 16:00 Uhr (129 km)

Am Morgen ist Marcus gekommen, wir haben die Mopeds auf den Hänger geladen und das Gepäck verstaut. Dann ging es los auf eine lange, lange Fahrt Richtung Süden. Wir sind abwechselnd gefahren und jeder konnte mal mehr oder weniger schlafen. Schließlich sind wir nach 24 langen Stunden endlich in Malaga auf dem Campingplatz angekommen. Die Mopeds waren schnell vom Hänger und gepackt. Wir fuhren auf dem kürzesten Weg nach Algeciras. In den Bergen gab es noch einen Stopp zum Frühstücken und in Marbella einen an der Strandpromenade. Die letzten 60 km sind wir Autobahn gefahren da wir nur noch ins Hotel wollten. Nach dem Duschen sind wir noch ins Zentrum zum Tanken und auf den Marktplatz zum Kaffee trinken. Morgen geht es richtig los.

Tag 3

Algeciras – Fes 9:00 Uhr – 20:30 Uhr (303km)

Kaffeepause

Kaffeepause

Es war eine herrliche Nacht bei der man die Beine in einem Bett ausstrecken konnte. Laut Ticket war last check in bei der Fähre um 9 Uhr und 11 Uhr Abfahrt. Wir waren kurz nach 9 da, aber niemand am Schalter. Erst um 10 begann der check in und um 11 fuhr die Fähre pünktlich los. 45 Minuten später waren wir in Afrika und standen erstmal am Grenzübergang in einer langen Autoschlange. Ein Stück konnten wir uns nach vorne mogeln, mit Unterstützung der Polizei, aber bald ging nichts mehr. Ziemlich bald kam jemand, der uns Formulare zum Ausfüllen gab. Die Befürchtung, dass es ein Abzocker ist erwieß sich als falsch. Er wollte kein Geld, freute über eine Kleinigkeit. Um 13:30 Uhr waren wir endlich durch die Passkontrolle, Fahrzeugregistrierung, Zoll und zweite Passkontrolle durch.

Abendessen

Abendessen

In der ersten größeren Ortschaft zogen wir Geld am Automaten und tranken einen Kaffee am Meer. Die Fahrt durch die Berge nach Fes war klasse. Kleine schöne Sträßchen, tolle Landschaft, aber man musste sich immer vor dem nächsten Schlagloch vorsehen. In einem Dorf hielten wir zum Kaffee trinken. Holger bestellte noch Rührei, die aber irgendwo anders gemacht und gebracht wurden. Der Besitzer setzte sich zu uns, unterhielt sich mit uns und sein kleiner Sohn zeigte seine Autofahrkünste. Obwohl seine Füße kaum zu den Pedalen und der Kopf fast nicht über das Lenkrad reichte, manövrierte er den alten Mercedes sicher durch die Gegend und hängte dabei lässig den Arm aus dem Fenster.

Fes

Fes

In Fes sind wir bei Dunkelheit angekommen. Am Stadtrand kam plötzlich ein unbeleuchtetes Mofa aus dem Dunkeln angeschossen, verfolgte uns um bei der ersten Gelegenheit Hilfe bei der Hotelsuche anzubieten. Die war auch nötig. Das Ganze hat zwar nicht auf Anhieb geklappt, aber letztlich sind doch wie geplant im Hotel Palais de Fes, einem Palast aus Mosaik, Holz, Fließen und Teppichen, gelandet. Auf der Dachterrasse, mit Blick über die Stadt, hatten wir ein ausgiebiges Menü mit mehreren Gängen.

Tag 4

Fes – Khenifra 12:00 Uhr – 18:30 Uhr (234km)

Souks von Fes

Souks von Fes

Vormittags schauten wir uns mit dem vom Hotelbesitzer, der übrigens hervorragend deutsch sprach, organisierten Guide die Souks von Fes an. Der Guide war gut, zum einen hätten wir alleine nicht mehr aus den Gassen raus gefunden, zum anderen wurden wir nicht belästigt.

Gerberei

Gerberei

Die Läden, die Gerberei und die Moschee waren schon beeindruckend. Trotzdem waren wir froh aus der Stadt raus zu sein und frische Luft atmen zu können. Wir fuhren zunächst die Nationalstrasse Richtung Azron und machten ab Ifrane einen Abstecher über das Skigebiet. Hier sind wir bis auf 1978 m hoch gekommen und hatten den ersten Schnee am Wegesrand. Südlich von Azron nahmen wir die Piste, die von der N13 weg ging, um durch die Berge nach Khenifra zu fahren. Anfangs war es noch eine Schotterpiste,

Erste Piste

Erste Piste

die in eine Lehmpiste überging, die immer matschiger wurde und viele Wasserlöcher hatte. Auf jeden Fall war es ein irre Spaß und die Mopeds waren schnell ziemlich braun. Irgendwann lag der erste Schnee auf dem Weg durch den wir aber noch durchkamen. Wir trafen schließlich auf Franzosen mit einem Geländeagen die gerade umdrehten, da es kein weiteres durchkommen gab. Sie erzählten, dass sie 3 Stunden gebracht haben um das Auto wieder aus dem Schnee zubekommen. Wir versuchten es noch ein Stück, mussten schließlich aber auch aufgeben und umdrehen.

Schlammige Piste

Schlammige Piste

Wer hätte gedacht, dass wir in Marokko wegen Schnee nicht weiter kommen. Wir sind dann ab Azron die Nationalstraße gefahren um vor Einbruch der Dunkelheit in der Auberge zu sein. Es war eine sehr schöne Strecke mit gutem Belag, die sich mit vielen Kurven durch eine schöne Hügellandschaft schlängelte. Was auffiel war, dass es auf den Nationalstrasse sehr viele Polizeikontrollen gibt, bewaffnet mit Laserpistolen für Geschwindigkeitskontrollen. Wir wurden aber immer durch gewunken. Jetzt sitzen wir als einzige Gäste der Auberge am Kaminfeuer und warten auf das Essen. Man hat uns trotz Anmeldung nicht erwartet und jetzt wird spontan im Ort was zum Essen organisiert.

Tag 5

Khenifra – Bin-el-Ouidane 10:15 Uhr – 16:00 Uhr (217km)

Blick auf den Atlas

Blick auf den Atlas

Nach einer recht kühlen Nacht in der Auberge auf 1250m Höhe blieb das Thermometer heute unterhalb der 20 Grad Marke und wir fast den ganzen Tag über 1000m. Die Route führte uns über kleine Nebensträßchen über die westlichen Ausläufer des Atlas. Immer wieder bekamen wir einen schönen Blick auf die schneebedeckten Gipfel. Ich war froh, dass ich mich morgens warm angezogen habe und Marcus schaltete als erster die Griffheizung ein. Das tat ich auch, als wir nur noch knapp über 10 Grad hatten. Dafür zog an uns eine schöne grüne Hügellandschaft vorbei, wie ich sie in Marokko nicht erwartet hätte. In einer kleinen unscheinbaren Bude machten wir Pause und tranken Tee.

Nachtquartier

Nachtquartier

Die größeren Ortschaften, durch die wir fuhren, erinnerten mich an Mali. Eine schlecht asphaltierte Straße, links und rechts ein breiter Streifen aus Lehmboden und dann heruntergekommene Häuser. Und ein ganz schönes Chaos am Straßenrand. Ganz anders die Bergdörfer, die zum Teil sehr idyllisch waren. Jetzt sitzen wir im Hotel an einem Stausee und haben einen tollen Ausblick von der Terrasse, die viele Sitz und Liegegelegenheiten mit Kissen hat. Das Ganze hier macht den Eindruck einer arabischen Hippie Kommune.

Tag 6

Bin-el-Ouidan – Kurz vor Ouarzazate 9:30 Uhr – 17:00 Uhr (326km)

Der Atlas

Der Atlas

Nach unseren Erlebnissen in Fes und der Tatsache, dass wir wieder einen sehr kühlen Abend erlebt haben, hatten wir gestern beschlossen Marrakech aus dem Programm zu streichen und möglichst schnell in den Süden zu kommen. Wir sind zunächst das Bergsträßchen nach Norden zur N8 gefahren. Plötzlich waren wir am Rand der Berge und unter uns tat sich ein wahnsinniger Blick auf die Ebene auf. Wir fuhren ein Stück die N8 Richtung Marrakech um eine Tankstelle zu finden. Die kamen dann auch reichlich. Ab Tamelelt kürzten wir zur N9 ab um Marrakech weiträumig zu umfahren. Als wir wieder auf den Atlas zufuhren, hatten wir einen grandiosen Blick auf die weisen Gipfel. Die N9 hoch zum Tizi-n-Tichka waren schön kurvig, aber immer wieder gab es Schlaglöcher und Rollsplitt in den Kurven.

Privatparkplatz

Privatparkplatz

Leider war sie sehr touristisch, an jeder Haltebucht stand ein Händler, der Mineralsteine und anderes verkaufen wollte. Viel LKW-Verkehr gab es auch. Wir kamen gut voran und beschlossen so weit wie möglich zu fahren, bevor wir ein Hotel suchten. Wir planten das kleine Sträßchen über Telouet am nächsten Tag ohne Gepäck zu machen. Als wir vom Pass runter fuhren veränderte sich die Landschaft. Der Boden wurde tief rot und es sieht schon deutlich mehr nach Wüste aus. Der Blick am Flussbett des Asif Imini war atemberaubend und hier fanden wir auch ein nettes kleines Hotel.

Tag 7

Kurz vor Ouarzazate – Ouarzazate 9:00 Uhr – 16:15 Uhr (171km)

Piste zum Tizi-n-Tichka

Piste zum Tizi-n-Tichka

Heute haben wir das Gepäck erstmal im Hotel gelassen um die Rundfahrt über die Piste zum Tizi-n-Tichka über Telouet und zurück zum Hotel zu machen. Das waren zwar nicht viele Kilometer, aber die hatten es in sich und wir haben sechs Stunden gebraucht. Die Piste fing recht harmlos an, sie war zwar sehr steinig aber gut zu fahren. Die Landschaft war grandios und es gab einige spannende Wasserdurchfahrten. Doch dann kam der Anstieg aus dem Tal auf den Berg hoch. Extrem steinig, Verwerfungen, Löcher, alles, was einem das Leben schwer macht. Einmal zum Stehen gekommen, Schwung weg, kaum eine Chance wieder anzufahren und weiter zu kommen.

Wasserdurchfahrt

Wasserdurchfahrt

Uns halfen ein paar Jugendliche die Maschinen anzuschieben und auszubalancieren. War man erstmal angefahren, der Schwung wieder da, ging es irgendwie. Die GS tat mir bei dem Geholper und den Schlägen richtig leid. Die Kupplung hat gestunken und es waren die härtesten 100m in meinem bisherigen Motorradleben. Aber die GS hat sich, genau wie die Tenere und die Freewind, ihre Sporen verdient und bekommen jetzt den Titel Bergziege. Die Freewind mussten wir noch anschieben. Nach einem Umfaller war sie abgesoffen und die Startversuche leerten die Batterie. Aber inzwischen läuft und startet sie wieder ohne Probleme. Die letzten 10 km bis zum asphaltierten Teil gingen wieder, aber der Anstieg hat so viel Kraft gekostet, dass es einem auch sehr anstrengend vorkam.

Helfende Hand

Helfende Hand

Im Hotel angekommen wurden wir noch zu einem Tee eingeladen. Nach dieser Pistenerfahrung änderten wir wieder unsere Pläne. Wir wollten eigentlich nach Foum-Zguid und dann die Piste nach Mhamid nehmen. Nachdem uns Tine und Micha meldeten, dass diese teilweise sehr steinig ist, keine 30 km sondern über 150 km lang ist, und wir diesmal das ganze Gepäck dabei hätten, haben wir diesen Plan verworfen. Wir fuhren nur noch nach Ouarzazate und gingen in ein schönes großes Hotel mit Pool und toller Dusche. Das haben wir uns verdient. Wir mussten aber mehrere Hotels aufsuchen, bis wir freie Zimmer gefunden haben.

Tag 8

Ouarzazate – Zagora 10:30 Uhr – 15:30 Uhr (188km)

Campingplatz Oasis Palmier

Campingplatz Oasis Palmier

Heute Morgen bin ich um kurz nach 5 aufgewacht und dachte duscht da jemand? Nein, es hat geregnet und das nicht zu wenig. Als ich um 8:30 Uhr aufgestanden bin immer noch und das Wasser stand überall. Wir haben erstmal gemütlich gefrühstückt und bis wir los fuhren hat es aufgehört und die Sonne kam raus. Am Ortsende von Ouarzazate mussten wir in den Ort umdrehen, da es an der Tanke keinen Sprit mehr gab und der Tankwart meinte, weiter im Süden gäbe es auch keinen. Mittags haben wir Tine und Micha getroffen und haben dann auf deren Empfehlung den Campingplatz Oasis Palmier in Zagora angefahren. Ein traumhaft schöner Platz unter Palmen. Tine und Micha sind später auch dort angekommen und Tine hat Spaghetti (al arrabiata) für alle gekocht. Die Schärfe wurde dann mit ausreichend Rotwein gelöscht. Tine und ich haben noch unseren Portal Jour Fix gemacht und das Protokoll ins Geschäft geschickt:. Die Strecke heute war gut zu fahren. Guter Asphalt, an den Palmen des Flusses entlang. Selbst Supersportler waren unterwegs.

Tag 9

Zagora – Mhamid 11:00 Uhr – 12:30 Uhr (100km)

Blick in die Wüste

Blick in die Wüste

Morgens ging erstmal alles gemütlich. Frühstück, Zelt abbauen, Abschied von Tine und Micha. Die Strecke ging meist geradeaus durch eine Steinwüste. Hier und da waren die ersten kleinen Sanddünen. Das Hotel war schnell gefunden, wir checkten ein, aßen einen Salat und sprangen erstmal in den Pool und entspannten. Um 16 Uhr machten wir uns auf die Piste nach Mhamid zu erkunden. In Mhamid sprangen Leute auf die Straße und versuchten uns anzuhalten, vor allem blau gekleidete Wüstenführer. Nach Mhamid war der Asphalt zu ende und die Piste begann. Zunächst war sie steinig und hatte stellenweise Waschbrett.

Sandpiste

Sandpiste

Dann kam der erste Sand, die ersten kleinen Dünen und dann war es nur noch recht feiner Sand. Es lief relativ gut, Gewicht nach hinten, genug Geschwindigkeit, Lenker locker lassen. Trotzdem war ich nicht immer ganz Herr der Lage und konnte nicht immer ganz 100% steuern und die Spur halten. Das führte mich direkt in eine Sandverwehung, ich konnte aber kontrolliert anhalten. Holger kippte um als er hinter mir stehen blieb. Als ich ihm aufgeholfen habe, sahen wir wie Marcus hinter der nächsten Kuppe versuchte sein Motorrad aufzuheben. Als wir bei ihm waren stellten wir fest, dass er viel Sand im Gesicht hatte, sein Bremshebel verbogen und das Windschild abgebrochen war.

In der Wüste

In der Wüste

Als er den Helm abnahm sah er aus wie ein Dakarteilnehmer nach einem harten Tag. Für die zwei stand fest, dass sie zum Hotel zurück wollten, alleine wollte ich auch nicht weiter und so kehrten wir gemeinsam um. Auch wenn der Rückweg schon deutlich besser lief war es die richtige Entscheidung, da Marcus noch feststellte, dass sein Lenker krum war. Bei mir hat sich das Navi zurückgesetzt auf die Werkseinstellungen. Jetzt sind alle gespeicherten Wegpunkte und Tracks weg. Herzlichen Dank! Abends beim Essen beratschlagten wir, wie es am nächsten tag weiter gehen soll.

Tag 10

Mhamid – Ouarzazate 11:30 Uhr – 16:00 Uhr (261km)

Werkstatt

Werkstatt

Heute Morgen sind wir nach dem Frühstück erstmal in die Werkstatt um die Tenere von Marcus checken zu lassen. Das war zwar nur eine einzelne Garage, aber absolut sauber und das Werkzeug hing ordentlich sortiert an der Wand. Der Meister fuhr eine Runde und meinte mit dem Lenker sei alles in Ordnung. Ein wenig krumm ist für afrikanische Verhältnisse wohl ok. Er nietete dann noch das abgebrochene Windschild fest und schenkte uns Aufkleber für die Motorräder. Nachdem Tine meldete, dass ab Mittwoch in der Todra Schlucht mit Regen zurechnen sei, fuhren wir auf direktem Weg nach Ouarzazate um anschließend möglichst schnell in die Dades und Todra zu kommen.

Bergstrasse

Bergstrasse

Der Rückweg auf der N9 bot diesmal eine andere Kulisse, da wir wieder auf den Atlas zu fuhren und die schneebedeckten Gipfel im Blick hatten. Das verlieh der Strecke einen ganz anderen Charakter.

Als wir nach Agdz wieder an Höhe gewannen wurde es gleich 5 Grad kühler, Die hohen Temperaturen der Wüste hatten wir also wieder hinter uns. In Ouarzazate gingen wir wieder in das gleiche Hotel, in dem wir schon waren und machten noch einen Spaziergang durch die Gassen der Altstadt. Und was mussten wir entdecken: Ein Haus aus dem lauter Frauen aus den Fenstern schauten. Wir waren wohl am Puff gelandet. So was hatten wir in der Offenheit nicht in einem muslimischen Land erwartet.

Tag 11

Ouarzazate – Dates 10:00 Uhr – 17:30 Uhr (214km)

Spritmangel

Spritmangel

Der heutige Tag begann wieder mit der Suche nach Benzin. Die erste Tanke hatte nichts, die zweite auch nicht. Der Tankwarte meinte, es gäbe einen landesweiten LKW-Fahrer-Streik und deshalb hätten die Tankstellen kein Benzin mehr. Im Ortskern gäbe es aber noch eine offene Tankstelle. Also nichts wie hin. Aber so eine Autoschlange, meist Taxis, habe ich noch nicht gesehen. Ein Chaos, der Kreisverkehr vor der Tanke blockiert und Menschen, die Parolen skandierten. Wir mogelten uns nach vorne, nur um dann zu erfahren, dass es nur noch Diesel gab. Wir beschlossen, wie geplant, weiter zu fahren, in der Hoffnung, bevor uns der Sprit ausgeht, eine Tankstelle auf der Strecke zu finden, die noch Benzin hat. Als eiserne Reserve hatte Holger 4 Liter dabei. Als erstes musste Marcus auf Reserve schalten. Irgendwann hielten wir wieder bei einer geschlossenen Tankstelle. Wir hatten schon weit mehr als 300 km mit unserer Tankfüllung auf der Uhr, Marcus wusste nicht, wie weit seine Reserve noch reicht, Holger wusste auch nicht, wann er auf Reserve musste und ich wartete auch jeden Kilometer auf die Tankwarnleuchte.

Dates Schlucht

Dates Schlucht

Ich schickte Tine gerade eine SMS, in der ich unsere Situation schilderte und vor dem Streik warnte, als der Tankwart auftauchte und meinte er könne noch was organisieren, Wir sollten in dem Cafe auf der anderen Straßenseite warten, das gehöre seinem Schwager. Irgendwann kam er auf seinem Mofa mit 8 Litern in Plastikflaschen, die wir in die Tenere von Marcus füllten. Wir rollten dann mit gemütlichen 80 km/h weiter um Sprit zu sparen. Ich machte mir schon Sorgen, dass die Benzinanzeige defekt ist, da es einfach nicht weniger wurde. Als wir eine kleine unscheinbare Tankstelle sahen, an der jemand tankte.

Dates Schlucht

Dates Schlucht

Und in der tat gab es Benzin und wir machten alle voll. Ich tankte 16 Liter bei 400 km auf der Uhr, Respekt! Als wir in Dates ankamen brachten wir erstmal das Gepäck ins Hotel. In dem Moment bekamen wir von Tine eine SMS, dass sie 5 Liter für uns auftreiben konnten.Wir fuhren dann noch in die Dates Schlucht und trafen unterwegs Tine und Micha. Die zwei beschlossen mit uns nach Dates ins Hotel zu fahren. Den Hotelschock hatten sie auch schnell überwunden, nachdem wir den Preis runtergehandelt hatten und sie in den Genuss der tollen Dusche, der grandiosen Aussicht und dem üppigen Buffet gekommen waren.

Tag 12

Dates – Erfoud 10:30 Uhr – 14:30 Uhr (195km)

Sandspiele

Sandspiele

Heute war ein reiner Etappentag . Nachdem Tine meinte, dass die Todra Schlucht im Vergleich nicht so spektakulär ist wie die Dates und es Marcus nicht sehr gut ging, sind wir direkt nach Erfoud gefahren. Die Strecke war langweilig. Ewige Geraden, viel Seitenwind und öde Landschaft. Im Hotel haben wir uns erstmal gestärkt und ausgeruht. Marcus blieb gleich bis zum Abendessen im Bett. Holger und ich trafen uns noch um die Furt am Stadtrand von Erfoud auszukundschaften. Laut Micha soll sie spektakulär und tückisch sein. Das Wasser der Regenfälle in der Woche vorher war aber schon abgelaufen und man kam mit trockenen Reifen rüber. Aufgrund der Löcher konnte man aber erahnen, was es bedeutete hier bei höherem Wasserstand durchzufahren. Anschließend sind wir noch in das Sanddünenfeld hinter dem Hotel und haben geübt. Das war ein irre Spaß, hoffentlich ist der Sand im Erg Chebbi genau so fest.

Tag 13

Erfoud – Erg Chebbi

Steinfelder

Steinfelder

Wir mussten wieder eine Entscheidung treffen. Fahren wir mit den Mopeds ins Erg Chebbi oder nutzen wir den Geländewagenservice vom Hotel. Leider waren die Informationen sehr dürftig. Wir wussten weder in welchem Zustand die Piste ist, noch wie lang sie ist. Die Angaben gingen von 5 km bis 35 km. Nachdem Marcus immer noch nicht ganz fit war und wir am Folgetag nach der Piste noch mindestens 350 km zu fahren hatten, entschieden wir uns den Geländewagenservice zu nehmen. Am Vormittag stellten wir im Sanddünenfeld hinter dem Hotel noch fest, dass dies die richtige Entscheidung war.

Oase hinter dem Hotel

Oase hinter dem Hotel

Der Geländewagen sollte uns nachmittags abholen, so hatten wir fast den ganzen Tag Zeit für andere Aktivitäten. Wir fuhren noch mal hinter das Hotel in die Sanddünen um ein wenig Spaß zu haben. Ich glaube allerdings, dass ich der einzige von uns drei war, der wirklich Spaß hatte. Wir fuhren noch ein Stück weiter und hinter den Dünen wurde der Untergrund steinig. Marcus hatte bald genug vom Offroad fahren und wollte wieder zurück ins Hotel um sich noch mal hinzulegen. Holger und ich begleiteten ihn noch zur Strasse und machten uns dann auf zu der Palmenoase, die wir in einiger Entfernung gesehen hatten. Dieser kleine Ausflug hat unheimlich viel Spaß gemacht.

Erg Chebbi

Erg Chebbi

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Geländewagen zum Erg Chebbi. Es war zwar weniger anstrengend als mit dem Motorrad und auch die Geschwindigkeit war deutlich höher, aber dafür ein deutlich größeres Schaukeln. Wir wurden nach vorne, hinten, links und rechts geworfen. Das ist auf dem Motorrad deutlich angenehmer. Da steht man ruhig auf der Maschine und das Motorrad bewegt sich unter einem.

Sonnenntergang Erg Chebbi

Sonnenntergang Erg Chebbi

Als wir bei den Zelten ankamen waren wir etwas enttäuscht. Es war nicht ganz so romantisch wie wir dachten. Es gab ein großes Hauptgebäude und dann eine richtige kleine Zeltstadt wie eine Notbehausung nach einem Erdbeben. Ein Stück weiter nach links und rechts standen noch mehr von diesen Einrichtungen. Dafür war der Blick auf die großen Sanddünen unglaublich. Marcus und ich sind noch mit Kamelen auf die Dünen geritten um den Sonnenuntergang anzuschauen. Oben auf dem Dünenkamm musste ich an einen Spruch von Tine denken: Überall bunte Punkte. In der Tat waren um uns herum überall Menschen auf dem Dünen, lauer bunte Punkte im Sand. Dafür war der Sonnenuntergang sehr interessant. Fast im Minutentakt hat sich die Farbe des Sandes verändert.

Tag 14

Erg Chebbi – Erfoud – Guercif 10:15 Uhr – 19:00 Uhr (430km)

Holger war der Held des Tages. Er hat die Nacht draußen im freien direkt in den Dünen verbracht. Die Marokkaner hatten so einen Touri wohl noch nicht erlebt. Die Nacht im Zelt war angenehm und nicht kalt wie zunächst befürchtet. Allerdings war überall Sand, der kommt wirklich durch jede Ritze durch. Handy, Objektiv der Kamera, alles knirscht. Morgens hat uns der Geländewagen wieder abgeholt.
Im Hotel haben wir unser Gepäck geholt, die Mopeds gepackt und haben uns auf den langen Weg zurück nach Norden zur Küste gemacht. Da wir kein Hotel gebucht haben, wollten wir so weit fahren wie wir kommen, wollten aber mindestens die Hälfte der Strecke schaffen. Die Fahrt war ziemlich langweilig und anstrengend. Lange gerade Strassen und viel Wind der natürlich wieder von der Seite kam.

Polizeiposten

Polizeiposten

Dann kam noch dazu, dass es auf der ganzen Strecke so gut wie keine Hotels gibt. Auf ungefähr der Hälfte der Strecke haben wir eines gefunden, der wollte aber einen unverschämten Preis. Wir haben dann noch zwei Polizisten gefragt, die meinten entweder 50 km zurück nach Missour oder 100 km weiter nach Guercif. Wir entschieden uns für zweites, da das Hotel dort auch im Reiseführer von Marcus war. Wir kamen bei Einbruch der Dunkelheit an und haben das Hotel gleich gefunden. Wir haben es als authentisch klassifiziert, es war sehr einfach. Abends sind wir noch durch die Stadt gelaufen um etwas zu Essen. Ein Marokkaner hat uns angesprochen und sich zu uns gesellt. Wir sind mit ihm in eine „marokkanische Frittenbude“ gegangen und haben in zum Essen eingeladen. Er wollte aber nur einen Kaffee, blieb aber die ganze Zeit bei uns, hat für die Bestellungen gesorgt und sich intensiv mit uns bzw. mit Holger unterhalten.

Tag 15

Guercif – Melilla 10:00 Uhr – 15:00 Uhr (143km)

Abschied Marokko

Abschied Marokko

Morgens gesellten wir uns zum Frühstück zu unseren Motorrädern. Die durften die Nacht auf dem Bürgersteig vor dem Hotel stehen. Allerdings mussten wir dafür Gebühren zahlen. Nach dem recht dürftigen Frühstück machten wir uns auf die letzten Kilometer nach Melilla zu fahren. Der Grenzübergang war recht einfach. Es gab zwar ein paar Schlepper, die Ihre Dienste anboten, die haben wir aber links liegen gelassen, haben uns am Schalter die Formulare geholt, sie ausgefüllt und sind rüber. Wir wurden auch nicht weiter belästigt, ich hatte den Eindruck, dass die Schlepper nicht ganz an den Grenzübergang ran durften. Die spanischen Grenzer wollten gar nichts von uns und so waren wir wieder auf europäischem Hoheitsgebiet. Da die Fähre erst abends um 23 Uhr fuhr, hatten wir viel Zeit. Nach einem Kaffee und einem kleinen Abendessen, machten wir es uns im Hafen gemütlich und spielten unser obligatorisches Domino.

Tag 16 und 17

Malaga – Waiblingen (ca. 2200km )

Die Fahrt mit der Fähre war ziemlich ungemütlich, geschlafen habe ich trotzdem da ich völlig fertig war und mit einigen Problemen kämpfte. In Malaga auf dem Campingplatz führte ich mir noch mal etwas aus der Reiseapotheke zu, danach ging es besser. Wir haben auf dem Campingplatz erstmal die Dusche genossen und anschließend die Motorräder auf dem Anhänger verstaut. Nun ging die lange, lange Fahrt zurück nach Deutschland los. Diesmal haben wir aber in Frankreich bei Narbonne ein Formula 1 Hotel genommen und ein paar Stunden geschlafen. Bei Dijon trennten sich dann unsere Wege. Ich fuhr mit dem Motorrad zurück nach Waiblingen, Marcus und Holger mit dem Auto nach Nittel und Marcus dann noch nach Köln.

Fazit

Es war mal wieder eine besonders schöne Ausfahrt. Und obwohl wir drei uns kaum kannten hat es super geklappt. Ich muss den beiden Jungs auch noch meinen Dank aussprechen. Marcus dafür, dass er alles organisiert hat und Holger, dass er immer fleißig übersetzt und einige Dinge vor Ort geregelt hat.
Marokko ist ein sehr schönes Land und um diese Jahreszeit sehr abwechslungsreich da es im Norden sehr grün ist. Die Menschen sind sehr freundlich und abseits der Touripfade auch sehr angenehm im Umgang. Aber auch in Fes, das sehr touristisch ist, waren die Menschen nicht besonders aufdringlich. Es gab zwar die Schlepper, die bei der Hotelsuche für bares helfen wollen, aber in den Souks war es angenehm. Das kann aber auch an dem Führer liegen den wir hatten. Trotzdem ist es in den Bergregionen in denen es keinen Tourismus gibt am schönsten. Mit französisch kommt man überall durch und öffnet Herzen. Dank den Sprachkenntnissen von Holger hatten wir einige Gespräche mit Einheimischen und die Marokkaner konnten sich von Ihrer gastfreundschaftlichen Seite zeigen.
Besonders toll ist natürlich das fahren auf den Pisten. Ein Vergnügen, dass man in Deutschland nicht in der Form kennt. Auch mit meiner R1200GS hat es, auch offroad, gut geklappt und die TKC80 waren die richtige Wahl für Offroad und Onroad. Nur schade, dass mein Garmin den Geist aufgegeben hat.

Nachtrag:
Nachdem mein Navi nach einer Reperatur von Garmin wieder mit den gleichen Symptomen kaputt ging, wurde es inzwischen von Touratech und Garmin anstandslos gegen ein neues Gerät getauscht.

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