Nordkap 2006

Mit Motorrad und Zelt von Stuttgart zum Nordkap und zurück und dabei alle skandinavischen Länder besuchen. Ein lange gehegter Traum wurde im August 2006 endlich war.

Gefahrene Strecke

Bilder

Bericht

Tag 1

Stuttgart 18:20 – Rostock 1:45 (820 km)

Erstmal fetter Stau auf der B10 und der A81 bis hinter Ludwigsburg. Dann lief es gut. Kurz vor Hof heftiger Regenschauer, aber schnell vorbei. GS läuft gut, konstante 170 km/h mit Koffer sehr entspannt möglich.

Tag 2

Rostock 6:00 – Hanko 7:00

Ruhige Überfahrt, aber Regen, Regen, Regen. Alle liegen kreuz und quer rum. Das nächste mal Schlafsack und Luma mit zum Sitzplatz nehmen.
15:00 Uhr.
Es hat aufgehört zu regnen. Dafür pfeift der Wind, dass man sich kaum auf Deck halten kann. Also mache ich das, was ich die letzten Stunden gemacht habe: schlafen.
Noch eine Stunde bis Hanko. Tolles Wetter, schöner Sonnenaufgang.

Tag 3

Hanko 7:20 – Rekola (Jämsä) 17:00 (510 km)

Rally Finnland

Rally Finnland

Erstmal schnell Richtung Helsinki. Zwei aus der Gegend Berlin dabei. Die wollen nach Tallin, Polen und Heim in 1 Woche. Ab Lahiti fängt der Spaß an. Traumhafte Strecke nach Jyväskyla hoch. Angepeilter Campingplatz bei Otamo schon um 12:30 Uhr erreicht. Also weiter. Magazin über Rallye Finnland gekauft, mit Streckenkarte. Gleich mal auf die ersten Pisten. Ganz schön was los, viel Staub geschluckt. Die Streckenscouts sind schon da, in wenigen Tagen ist die Rallye.
Auf dem Campingplatz noch eine Campingcard Skandinavien gekauft (6 €). Mal sehen, ob es sich rentiert. Zelt am See aufgebaut, eine thailändische Nudelsuppe gemacht und ab ins Bett.

Tag 4

Rekola 8:30 – Iisalmi 17:45 (440 km)

Aufgewacht und erstmal gedacht: „Oh Gott mein Rücken. Ich will ein Hotelbett.“ Raus aus dem Zelt, der Blick auf den See und alles klar: Das kann kein Hotel bieten. Es ist gut so, wie es ist.
Anmerkung an Julia: Es war ganz schön warm im Schlafsack, von wegen frieren. Und dabei hatte ich nur kurze Sachen an.
Nachdem Magen und Maschine an einer Neste aufgetankt waren ging es los. Heute war nicht der Norden, sondern der Weg das Ziel. Insbesondere die Pisten der Rallye Finnland. Die Absperrungen neben der Strecke und die Streckensicherungen stehen schon. Da durch zu fahren erzeugt richtiges Rennfeeling. Schon cool auf Strecken zu fahren, über die in 4 Tagen die Profis räubern. Insgesamt waren es ca. 170 km Schotterpiste, die ich heute gefahren bin. Nachdem ich keine Neste Frühstücksgelegenheit gesehen habe, habe ich mir Kaffee und Frühstück gekauft und werde auf dem Campingplatz frühstücken. Jetzt noch eine Suppe und dann ins Bett.

Tag 5

Iisalmi 8:30 – Ranua 17:20 (466 km)

Piste in Finnland

Piste in Finnland

Der Morgen entschädigt mal wieder für die Nacht. Morgens vor dem Zelt zu sitzen, Kaffee zu kochen und dabei brennt einem die Sonne in den Nacken, das hat schon Stil.
Heute ging es stetig Richtung Norden. Die Vegetation verändert sich. Die Bäume werden kleiner und es sind auch keine Getreidefelder mehr zu sehen. Es waren wieder einige Pisten dabei, die unter die Kategorie „nicht ganz staubfrei“ fallen. Auf einem Stück war es so grober Schotter, dass ich mir Gedanken um meine Reifen machte. Aber mit 30 km/h will ja auch keiner fahren 🙂
Anmerkung an Michi: Du hast echt was verpasst.
Eine Fähre war heute auch im Programm. Glück gehabt, dass sie bereits da war und schon zwei Autos drauf standen. So musste ich nicht lange warten. Cool, dass die Dinger hier nichts kosten. Die ersten Rentiere sind mit auch über den Weg gelaufen. Jetzt sitze ich hier, 80 km südlich vom Polarkreis, vor meinem Zelt und schaue auf den See. Es ist 19:00 Uhr und hat 20 Grad Celsius. Klasse!

Tag 6

Ranua 9:45 – Kaamanen 17:50 (515 km)

Am Polarkreis

Am Polarkreis

Um 2:30 Uhr war ich mal vor dem Zelt. Interessant um diese Uhrzeit einen rot verfärbten Horizont zu sehen. Ist das jetzt Abend- oder Morgenrot?
Morgens kam kurz Panik auf, als schwarze Wolken über den See kamen. Es blieb aber doch trocken, ich konnte gemütlich frühstücken und es wurde ein schöner sonniger Tag.
Heute ging es stetig nach Norden und es wird langsam hügeliger. Dabei musste ich feststellen, dass hier oben manche, in der Karte gelb eingetragenen Hauptverbindungsstrassen, ebenfalls zur Kategorie „nicht ganz staubfrei“ gehören. Dafür passen sich die Temperaturen dem Umstand an, dass ich mich nun weit nördlich des Polarkreises befinden. Also passe ich mich auch an, miete mir abends eine kleine Hütte und mache für morgen das Innenfutter in die Motorradklamotten. Ab jetzt geht es nur noch auf „großen“ Fernverbindungsstrassen weiter, wobei die nicht so groß sind. Aber man merkt schon, dass man wieder auf der Hauptroute ist, es sind wieder andere Touris zu sehen. An der Tanke zwei Italiener, die mit ihren Mopeds auch zum Nordkap wollen und gegenüber meiner Hütte steht ein Wohnmobil aus Pforzheim.

Tag 7

Kaamanen 9:25 – Nordkap – Honningsvag 21:35 (435 km)

Nordkap

Nordkap

Auf zum Nordkap. Die Vorfreude war groß, wurde jedoch bald getrübt. Kaum in Norwegen, fing es an zu regnen und es hörte nicht auf. Ich glaube, die Küstenstrasse (69) zum Nordkap ist echt klasse, wenn die Wolkenuntergrenze nicht knapp über der Strasse liegt. Als schließlich weder die Schuhe, noch die Handschuhe dicht hielten, beschloss ich in Honningsvag noch vor der Fahrt zum Nordkap das erstbeste Hotel zu nehmen. Zudem buchte ich gleich noch ein Ticket auf der Hurtigruten bis nach Hammerfest. Im nachhinein muss ich feststellen: Eine beheizte Hütte, wie die Nacht zuvor hätte es auch getan und wäre viel günstiger gewesen.
Nachdem ich mich im Hotel aufgewärmt und getrocknet hatte, startete ich die letzten 31 km zum Nordkap. Die Sonne kam raus, es gab schönen Kurven, ein Jubelschrei, doch dann…. 3 km vor dem Kap, peng, eine Nebelwand, Sichtweite 30 m. So sah es dann aus am nördlichsten Punkt vom europäischen Festland. Ich wartete mehrere Stunden dort, ich der Hoffnung der Nebel verzieht sich. Satz mit x, war wohl nix.
Rentiert hat es sich trotzdem. Dieser Ort ist irgendwie mystisch.

Tag 8

Honningsvag 6:15 – Hammerfest 11:15 – Straumfjordnes 17:10 (305 km)

Die Fahrt mit der Hurtigruten war nicht so spektakulär wie erwartet. Und um damit eine Kreuzfahrt zu machen, muss man entweder ein bestimmter Typ Mensch sein, oder ein gewisses Alter erreicht haben. In Hammerfest bin ich von einer Deutschen angesprochen worden, die gerade mit einem Segelschiff aus Spitzbergen kam. Das wäre auch mal was. Die Küstenstrasse wäre echt klasse, wenn es nicht so kalt wäre und die Sonne mal rauskommen würde. Landschaftlich ist es aber wirklich interessant. Hab dann schon bald eine Hütte gesucht und dachte ich glaub ich spinne. 300 NOK (39 €) und Warmwasser für die Dusche geht extra, und ob es hier drin noch richtig warm wird, weiß ich auch nicht. In Finnland waren es noch 16 € all inclusive. Da könnt ich doch auch in ein Hotel (Meinung von gestern revidiert). Wenn es so kühl und bewölkt bleibt, werde ich keine Extraschlenker mehr machen und den direkten Weg nehmen. Aber Hauptsache es ist trocken.

Tag 9

Straumfjordnes 8:10 – Tommerneset 17:40 (482 km)

Heute ging es auf der E6 stetig gen Süden. Schon ein unangenehmes Gefühl zu wissen, dass es nun Richtung Heimat in den schnöden Alltag geht. Die E6 wird ihrem schlechten Ruf nicht gerecht. Im Gegenteil, es ist eine richtig schöne Strecke, in den Genuss von 3 Kehren bin ich auch gekommen. Glück mit der Fähre hatte ich auch wieder, sie lief gerade ein, als ich ankam. Vom Schiff gab es einen schönen Blick auf die Lofoten. Dort muss die nächste Tour hingehen. 3 deutsche Biker, die aus Oslo kamen, berichteten, dass sie nur im Regen gefahren sind. Heute kam die Sonne immer wieder raus und am Nachmittag wurde es richtig sonnig.
Abends überlegte ich, ob Zelt oder Hütte. Es wurde dann doch die Hütte, ich will ja keinem der Kritiker recht geben müssen, die meinten, ich werde frieren 🙂

Tag 10

Tommerneset 9:10 – Sefrivatnet 17:30 (485 km)

Heute war ein wunderschöner, sonniger Tag und die E6 macht immer noch Spaß. Besonders am Saltfjellet-Svartisen Nationalpark entlang war es klasse. Nur einmal bin ich auf Nebenstrecken ausgewichen, um einen Monstertunnel zu umgehen. Die hatten von alpinen Kurven bis „nicht ganz staubfrei“ alles zu bieten. Kaum über den Polarkreis gekommen, hat es auch schon wieder über 20 Grad Celsius und das Innenfutter konnte raus. Heute Abend bin ich dann noch in ein Unwetter gekommen, dass es sich gewaschen hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schade, also doch wieder eine Hütte.

Tag 11

Sefrivatnet 8:10 – Trondheim – Kvikne 17:00 (425 km)

Der Tag begann heute neblig, wurde dann aber doch noch sonnig und warm. Die E6 hat an Reiz verloren und je näher es nach Trondheim ging, desto unangenehmer wurde es. Morgen werde ich Alternativrouten zur E6 aufsuchen. Die Altstadt von Trondheim ist recht malerisch, mit netten bunten Holzhäusern und Kneipen. Es ist auf den Straßen deutlich zu erkennen, dass es eine Universitätsstadt ist. Das Durchschnittsalter muss bei 25 liegen (und fast alle blond :- ) . Am Abend sind wieder dunkle Wolken aufgezogen, sie ziehen aber nach Süden. Ich bin noch bis an den Rand des Regengebietes gefahren und habe dann endlich mal wieder das Zelt aufgebaut. Hoffentlich sieht der Himmel im Süden Morgen besser aus.

Tag 12

Kvikne 9:10 – Hov 17:10 (451 km)

Heute ging es wieder mit einer tief hängenden Wolkenschicht los. Irgendwann kam die Sonne auch durch, ich habe aber den ganzen Tag eine Regenfront vor mir hergeschoben. Musste öfters Pause machen um sie nicht einzuholen. Die E3 als Alternative zur E6 hat sich als Flop erwiesen. Viele LKWs. Ich bin dann wieder Richtung Westen zur E6 und dann auf die 257 und 51. Die entpuppten sich als schöne Bergstrassen, die mich in so was wie die norwegischen Highlands führten. Eine atemberaubende Landschaft. Das Gebiet nennt sich Oppland. An der Grenze zur Regenfront habe ich einen Platz am See aufgesucht in der Hoffnung, dass sich die Wolken bis Morgen verziehen und ich trocken nach Oslo komme.

Tag 13

Hov 8:10 – Oslo – Göteborg – Varberg 18:45 (575 km)

Heute war ein langer Tag, der mit Regen begann und mit Sonnenschein endete.
Oslo war nicht sehr prickelnd. Ich bin nur auf einen Cappuccino nach der Stadtrundfahrt geblieben. Es fällt auch schwer, sich nach fast 2 Wochen auf einsamen Landstrassen durch den Stadtverkehr zu wühlen. Dafür waren die Strassen von Oslo nach Göteborg um so schöner. Die schwedische Küste ist auch eine Reise wert. Beim nächsten mal dann.
In Göteborg musste ich dann feststellen, dass keine Fähre nach Kopenhagen fährt. Als ich dann noch den Verkehr auf dem Zubringer nach Göteborg sah, verzichtete ich auf eine Stadtrundfahrt. Also suchte ich aus dem Campingführer einen Platz südlich von Göteborg am Meer raus und spulte die letzten Kilometer auf der Autobahn runter.
Kurz nach Göteborg hatte ich die 10.000 km voll. Die Inspektion muss aber noch warten und meine Straßenkarte ist hier auch zu Ende. Und dann ist heute Abend auch noch ein Teil meines Zeltgestänges gebrochen. Dafür sitze ich jetzt am Meer und genieße den Sonnenuntergang.

Tag 14

Varberg 8:25 – Malmö – Kopenhagen – Fehmarn – Weisenhäuser Strand 20:00 (546 km)

Nachts regnete es in Strömen und der Morgen war nebelhaft und stürmisch. Schließlich hatte Petrus doch ein Einsehen und es wurde warm.
Auf dem Weg nach Malmö bin ich aus Mangel an vernünftigen Alternativrouten, die mich entlang der Küste nach Süden bringen, immer wieder auf der Autobahn gelandet.
Die Überfahrt nach Kopenhagen über die Öresund-Brücke war zwar kostenpflichtig (17 €) aber interessant. Kopenhagen selbst empfiehlt sich mit Boot und zu Fuß anzuschauen. Es gibt viele Wasserwege und Fußgängerzonen. Nach dem Erwerb einer Straßenkarte Dänemark ging es weiter nach Süden. Viel hatte die Strecke nicht zu bieten, es ging nur geradeaus. Komisch, in Finnland hat das noch Spaß gemacht. Und wieder hatte ich Fährglück. Angekommen, gleich rauf aufs Schiff, Klappe zu und los nach Fehmarn. Dort bin ich erstmal zum Staberhuk um einen letzten einsamen Camping-Kaffee in der Natur zu machen. So einsam war der aber nicht, ganz schön was los hier. Also bin ich noch in Burg in ein Kaffee um mich bei einer Latte und einem Apfelstrudel wieder an das Leben unter vielen Menschen zu gewöhnen 🙂 . Jetzt noch eine Woche Badeurlaub und dann ab nach Stuttgart.

Weissenhäuser Strand 10:00 – Stuttgart 18:05 (790 km)

ENDE DER REISE !

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