Norwegen 2008

Nachdem ich 2006 auf meiner Nordkap Tour den Südwesten von Norwegen nicht besuchen konnte, wollte ich das unbedingt noch nachholen. In 2008 war es dann soweit.

Gefahrene Strecke

Bilder

Bericht

Tag 1

Waiblingen 12:00 Uhr – Rätzlingen 20:00 Uhr (623 km)

Morgens bin ich aufgewacht und habe den Regen auf dem Dachfenster gehört. Na toll! Bis zum Start um 12:00 Uhr nach Mutters Geburtstagsfrühstück war es mit dem Regen vorbei. Ein paar Tropfen gab es dann noch bei Schäbisch Hall und bei Wolfsburg. Ansonsten wurde es so warm, dass die Gore-Tex Membran aus der Jacke raus konnte. Es wurde somit eine angenehme Fahrt zu Oma. Hoffentlich habe ich weiterhin solches Glück.

Tag 2

Rätzlingen 13:00 Uhr – Hirtshals 20:00 Uhr – Kristiansand 0:30 Uhr (609 km)

Was für ein Tag. Und was da kommen sollte hat sich schon in der Nacht abgezeichnet, als ich von heftigstem Regen aufgewacht bin. Zunächst verlief alles trocken und gut. Zwischen Kiel und Flensburg waren dann aber schon die dicken schwarzen Wolken über Dänemark zu sehen, incl. der ersten vereinzelten Tropfen. Ach ja, die Sturmböen nicht zu vergessen, wegen denen man in Schräglage geradeaus fahren musste. Ab der Mitte Dänemarks sind dann alle Dämme gebrochen und es stürmte und schüttete ohne unterlass. Schon beängstigend, wenn der Regen nicht von oben nach unten, sondern von links nach rechts fällt. Dann kam noch Stau und Autobahnsperrung dazu. Dank Navi konnte ich das ohne Probleme durch eine Ortschaft umfahren.
Die Fahrt mit der Fähre verlief unspektakulär und in Norwegen regnete es wenigstens nicht. Ich habe mir trotzdem das erstbeste, nicht zu teuer aussehende Hotel genommen um die Motorradklamotten zu trocknen und heiß duschen zu können.
Erkenntnis des Tages: Mein Tankrucksack ist trotz Regenhaube nicht richtig dicht. Das gleiche gilt für die Gepäckrolle. Schreibblock und Klopapierrolle sind durchweicht.

Tag 3

Kristiansand 9:30 Uhr – Kurz vor Tveit 18:00 Uhr (266 km)

runter zum Lysefjorden

runter zum Lysefjorden

Was soll man zu diesem Tag sagen. Er hat stark angefangen und stark nachgelassen, zumindest was das Wetter betrifft. Landschaftlich war die 9er von Kristiansand nach Norden sehr schön. Ab Nomeland ging es nach Westen auf der 337 über Sirdal nach Lysebotn. Diese Bergstraße ist fahrerisch ein absolutes Highlight. Eine Mischung aus Penser Joch, Passo de Manghen und Hahntennjoch und das auf einer Länge von über 60 km. Auch die Kehren am Schluss toppen das Stilfser Joch. Nur das nächste mal anders herum um die Kehren bergauf fahren zu können.
In Lysebotn endet die Straße, die Fähre geht erst Nachmittags um 15:30 Uhr. Ich hatte 1 ½ Stunden Wartezeit. Die Fähre ist sehr klein und zum Glück wurde ich rechtzeitig von Einheimischen darauf aufmerksam gemacht, dass man telefonisch einen Platz reservieren muss. Während dem Warten, dabei lernte ich einen Deutschen kennen, der 1996 nach Norwegen ausgewandert ist, zog das Wetter zu. Aufgrund dessen bin ich nicht in Songesand raus, sondern fuhr weiter bis Forsand. Als ich dann auch noch erfahren habe, dass man den Prekestolen nur zu Fuß erreichen kann (4-6 Stunden Marsch) habe ich dieses Highlight aus dem Tourprogramm gestrichen. Da er in den Wolken lag, hätte das eh nichts gebracht. Dann muss ich wohl mit Diana, Camper und Wanderausrüstung nochmal kommen. Schließlich fuhr ich die 13 noch ein Stück nach Norden und nahm aufgrund des nassen Wetters ziemlich bald eine Hütte auf einem Campingplatz. Zu guter letzt gab es traditionell noch eine Suppe und jetzt bin ich froh ein festes Dach über dem Kopf zu haben, da es schon wieder regnet.

Tag 4

Kurz vor Tveit 9:30 Uhr – Kurz nach Ulvik 18:30 Uhr (312 km)

mal wieder mit der Fähre

mal wieder mit der Fähre

Heute war der Tag der Fähren der mit einem wunderschönen Bergsträßchen abgeschlossen wurde. Zwischen durch bin ich von der 13 auf die 520 ausgewichen, genau wie es mir ein norwegischer Biker auf der Fähre empfohlen hat. Der Tipp war mehr als gut. Tolle Kurven und eine atemberaubende Landschaft. Man könnte ständig stehen bleiben um zu filmen und zu fotografieren. Ich habe noch einen Biker aus Essen getroffen, der zweimal die gleiche Fähre hatte. So hatte ich beim Warten etwas Gesellschaft.
Morgens hatte ich befürchtet, dass die beiden Wasserfälle Latefossen und Voringfoss ausfallen, da genug Wasser vom Himmel fällt. Aber das Wetter meinte es gut, es blieb trocken und die Sonne kam immer wieder raus. Das habe ich gleich genutzt, bin von der Straße ab auf einen Schotterweg und habe das Zelt irgendwo in der Wildnis aufgestellt. Leider gibt es heute keine Suppe. Die Streichhölzer, die auch bei Feuchtigkeit funktionieren sollen haben versagt. Warum? Weil sie feucht waren. Na Super!

Tag 5

Kurz vor Ulvik 7:30 Uhr – Vestkapp 18:00 Uhr (504 km)

Vestkap

Vestkap

Heute stellte ich fest, Norwegen ist das Land der Wasserfälle. Einer schöner als der andere und an einem habe ich heute Mittag gehalten und die gestern Abend versäumte Suppe nachgeholt. Der Morgen begann aber erstmal mit einem Besuch in einer Werkstatt um Werkzeug zu bekommen damit ich meinen unmotiviert im Wind wehenden Rückspiegel festziehen konnte. Dann habe ich noch etwas Lebensmittel gekauft und ein Feuerzeug 🙂
Die 13 zwischen Dragsvik und Moskog erwies sich heute als absolute Prachtstraße. Hohes Risiko sich in einen Rausch zu fahren. Das sollte man aber besser nicht machen, sonst hat man nichts von der tollen Landschaft. Anschließend kam ich auf die E39, die weniger spannend aber gut zum Kilometer fressen war. Das machte die Option war, noch zum Vestkapp zu fahren. Am Entscheidungspunkt in Stryn war das Wetter gut, ich lag gut in der Zeit, also gab es nicht viel zu überlegen. Da es mir auf der Fahrt etwas frisch wurde und ich ne heiße Dusche vertragen kann, nahm ich den Campingplatz beim Vestkapp. Die Besitzer sind zwei Schweizer und sie heißt mit Mädchenname Michel. Das ist doch glatt. Noch besser war, als sie meinte, in Norwegen würde alles so langsam gehen, die Norweger kennen keine Hektik. Und so was sagt jemand aus der Schweiz 🙂
Nun sitze ich ganz alleine bei Sonnenschein auf dem Vestkapp, hatte mein Vesper und warte auf den Sonnenuntergang. Dummerweise türmen sich über dem Meer gerade dunkle Wolken auf. Mal sehen, ob das noch was wird. Ansonsten ist der Rundumblick hier, auf das Meer und die Fjorde atemberaubend. Ein absoluter Reisetipp.
Nachtrag: Der Sonnenuntergang viel den Wolken zum Opfer, es gab nichts zu sehen.

Tag 6

Vestkapp 11:00 Uhr – Eidsdalen 18:00 Uhr (350 km)

Blick vom Vestkap

Blick vom Vestkap

Gestern Abend erzählte mit der Campingplatzbesitzer: „Wenn die Fahne runterhängt, gibt es viele kleine Mücken, die einem Stücke aus der Haut beißen.“ Heute Morgen mache ich das Zelt auf und bis zur Fahne ging mein Blick gar nicht. Ich sah nur die dunkle, schwirrende Wolke von Mücken vor dem Zelt. Also schnell alles zusammenpacken, Zeltabbau, trotz Sonnenschein, mit Regenjacke und Kapuze, um möglichst viel Haut zu bedecken, und ab zum Vestkapp zum Frühstück. Das war Klasse, wer kann schon behaupten mit so einem Ausblick und in so einer atemberaubenden Kulisse gefrühstückt zu haben. Da kann nicht mal Tines Terrasse mithalten. Wenn man da oben sitzt und auf die Küste schaut, fühlt man sich in ein anderes Zeitalter versetzt. Ich wollte gar nicht mehr weg und so wurde es 11 Uhr bis ich losfuhr. Ich habe noch einen Abstecher entlang der Fjorde auf der 61 und 652 gemacht. War OK, muss man aber nicht gemacht haben.
Kaum kam ich Richtung Gebirge, verschlechterte sich das Wetter. Ich war schon geneigt statt die 258 nach Grotli über den Berg auf der 15 zu beleiben und durch den Berg zu fahren. Aber wer lässt sich schon von ein paar Wolken und Regentropfen abhalten. Kurz vor der Passhöhe kam auch die Sonne wieder durch und ich nutze das gleich für einen Kaffee in einer traumhaften Landschaft. Auf der anderen Seite des Passes fing es dann wieder stärker an zu regnen, der Asphalt endete und die Straße war „nicht ganz staubfrei“. In Verbindung mit dem Regen war dass dann eine richtige Schmierseife.
Die Stichstraße zum Dasnibba habe ich wegen dem starken Regen und weil der Gipfel komplett in den Wolken war bleiben lassen. Der Geiranger war leider auch völlig verregnet. Schade um die schöne Motorradstrecke. Hier sind sehr viele andere Biker unterwegs, man sollte ihn aber besser in Nord-Süd Richtung fahren. In der Hoffnung, das Morgen besseres Wetter ist, bin ich heute nicht bis zu den Trollstigen gefahren und habe mir eine Hütte genommen um die Motorradklamotten trocken zu bekommen.

Tag 7

Eisdalen 9:15 Uhr – Jostedal 18:30 Uhr (393 km)

Trollstigen

Trollstigen

Heute ist wieder so ein Tag mit so vielen Eindrücken, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll und was alles war. Als ich heute Morgen vor die Hütte bin dachte ich erstmal: „boah, wie kalt“. Wenigstens war es trocken und so konnte ich die Fahrt über die Trollstigen genießen. Irgendwie hatte ich mehr erwartet, zumindest, dass es ein kleineres Sträßchen ist. Es waren 11 nette Kehren, aber der Geiranger war trotz Regen besser. Ach ja, ich war mal wieder falsch rum. Wer bergauf Kehren fahren will von Nord nach Süd. Dort hatte ich wieder das gleiche seltsame Gefühl wie am Nordkap. Wendepunkt, ab jetzt geht es wieder nach Süden und Richtung Heimat. Hoffentlich auch in besseres Wetter. Die E136 war langweilig und arschkalt. Musste noch das Fließ anziehen. Dann ging es auf die Ministraße von Lsja nach Svare, hat 20 Kronen gekostet, lohnt sich aber. Nur, der Regen kam und der Asphalt ging. Ich habe mir ja offroad gewünscht, aber warum müssen die Pisten immer dann kommen, wenn es naß ist. So hatte ich wieder etliche Kilometer auf diesem schmierigen, nassen, Sand Lehm Rollsplitt Gemisch. Ab Lom wurde das Wetter besser und ich machte meinen Kaffeestopp. Und so plötzlich, wie es schön war, war es auch wieder nass. Die Juvashytta ließ ich dann saußen. Straße nass, Berg in Wolken, muss nicht sein. Doch der darauf folgende Pass (bis 1400 hm) auf der 55 war der Hammer. Ab der Passhöhe wurde das Wetter auch wieder gut und zum Lustrafjorden runter richtig warm. Ein tolles Sträßchen, ich freu mich schon morgen da wieder hoch zu fahren. Da das Wetter topp war, beschloss ich gleich zum Gletscher nach Jostedal zu fahren und die Stabkirche in Urnes danach zu besuchen. Am Gletscher war es sehr schön. Nur ich muss noch mal mit Diana, Camper und Wanderausrüstung kommen. Die 604 nach Jostedal hat auch richtig fun gemacht. Auf dem Rückweg nach Gaupne hab ich mir ein nettes Plätzchen am Fluss gesucht und dort mein Zelt aufgeschlagen.
Was hat mich eigentlich geritten, ein ärmelloses Shirt für die lauen Abende vor dem Zelt mitzunehmen? Ich sitze hier im Fließ. Aber es ist trocken, angenehm und die Zwiebelsuppe war lecker.

Tag 8

Jostedal 9:00 Uhr – Geilo 17:30 Uhr (369 km)

wildes Campen

wildes Campen

Wegen Regen gab es heute Frühstück im Zelt. OK, ich sehe es ein, ein größeres Zelt wäre kein Fehler. Frühstück auf dem Bauch liegend ist nicht des Weisheits letzter Schluss. Die alten Römer haben zwar auch im liegen gegessen, die mussten aber ihre Brote bestimmt nicht selbst in dieser Position schmieren. Gestern hat mir ein Biker noch erzählt, dass er seine Motorradklamotten immer trocken bekommt, wenn er sie im Zelt schön neben sich ausbreitet. Da liegt das Problem. Neben mir breitet sich im Zelt nichts und niemand aus. Da ist kein Platz mehr und das hat nichts mit meinen Körpermaßen zu tun. Also führ die nächste Tour nach etwas größerem schauen.
Bei den Stabkirchen Urnes und Borgund hat es zum Glück nicht geregnet und ich konnte sie mir in Ruhe anschauen. Schon beeindruckend, dass Gebäude aus Holz über 8 Jahrhunderte überstanden haben. Die eine Außenwand in Urnes ist sogar 1000 Jahre alt. In Borgund beschloss ich nach mehrfacher Empfehlung den Pass nach Auerland zu nehmen. Vorsichtshalber zog ich auch gleich das Fließ an, es geht immerhin auf 1343 hm. Eine gute Entscheidung, es wurde verdammt frisch. Aber eine tolle Strecke, sehr zu empfehlen, genau wie die kleine Straße zwischen der 55 von Fortun und der 53 bis Ardal. Ab Auerland hat es dann in Strömen geregnet und die Tunnel auf der 50 Richtung Gol waren willkommen. Eigentlich wollte ich diese Straße ursprünglich nicht fahren, eben wegen der Tunnel und da sie rot auf meiner Karte ist, was eigentlich groß und langweilig heißt. Nicht so die 50 auf diesem Stück, die ist ja der Knaller. Tolle Kurven und die Tunnel sind der Hammer. Dunkel, mit Kehren, mit langen lang gezogenen Kurven, dass man meint man fährt eine Spirale, bergauf und bergab. Leider hatte das wegen dem Dauerregen nichts mehr mit Fahrspaß zu tun, sondern nur noch mit Augen zu und durch. Schade um diese landschaftlich höchst reizvolle Strecke.
In Geilo war das Maß voll und ich habe die erstbeste Hütte bezogen. 480 Kronen, wow, dafür Duschen im Preis drin. Das habe ich voll genutzt und heiß und laaange geduscht. Im Restaurant gab es dann noch einen Burger (im Stile vom Udo Snack, alle aus dem Umkreis Stuttgart wissen bescheid) statt der Suppe. War bei dem Piss heute nötig, mal etwas für die gute Stimmung zu tun. Morgen solle es nicht mehr regnen, hoffentlich weiß das Wetter das auch.

Tag 9

Geilo 8:30 Uhr – Kristiansand 19:00 Uhr (501 km)

Borgund Stavkirke

Borgund Stavkirke

Der heutige Tag hat mit Nebel angefangen und Regen kam dann auch noch dazu. Der ging zwar wieder weg, war aber immer präsent. Es war wie ein Katz und Maus Spiel. Ich habe immer wieder angehalten, um der Regenfront vor mir einen Vorsprung zu geben. Die Stabkirche in Heddal war jetzt nicht mehr so spannend. Irgendwie gleichen sie sich doch. Bei der Stabkirche in Eidsdalen hab ich wegen dem Regen nur kurz angehalten um das „Beweisfoto“ zu machen.
Heute waren wieder viele nette und kurvige Sträßchen dabei. Bei Trockenheit hätten die richtig Spaß gemacht. Das letzte Stück bis Kristiansand war dann größtenteils trocken und es gab doch noch Fahrspaß. Kurz vor Kristiansand habe ich bei herausbrechender Sonne an einer Bushaltestelle gehalten um mir noch eine Suppe zu machen. Warum an einer Bushaltestelle? Wenn der Rege wieder gekommen wäre, hätte ich in das Wartehäuschen flüchten können. Die Sonne blieb, aber rundum waren dunkle Wolken. Campen hatte ich wegen der Großwetterlage schon abgeschrieben und beschloss ins Hotel zu gehen. Ich versuchte mich zwar noch mal zu motivieren und bin zwei Campingplätze angefahren. Aber der eine war direkt am Flughafen, der andere erschien sehr durchorganisiert. So ging es doch runter zum Hafen in ein Hotel. Aber nicht mehr in den teuren Schuppen von der Anreise, sondern in ein „Containerhotel“ von der Budget Kette. Hat auch nur die Hälfte des anderen gekostet. Und morgen kein Zelt abbauen und zusammenpacken zu müssen hat auch was. Dafür kann ich länger schlafen und hab es nicht weit bis zum Terminal der Colorline, kann direkt rüberspucken.
Jetzt sitze ich am Hafen und genieße die letzten Stunden in Norwegen. Es war eine sehr schöne Reise, doch noch sind es zwei Tage bis nach Hause.

Tag 10

Kristiansand 8:00 Uhr – Rätzlingen 18:45 Uhr (639 km)

Die Fähre ging heute um 8 Uhr. Auf der Fähre habe ich Holger, einen netten Biker aus der Nähe von Trier kennen gelernt. Er war alleine auf seiner Freewind in Norwegen unterwegs. Argentinien hat er auch schon alleine mit dem Bike bereist. Respekt!
Dänemark hat mich erstmal mit trockenem Wetter begrüßt und ich bin ein Stück an der Ostküste nach Süden gefahren. Hier war dann auch Zeit für den Kaffee. Als ich da so auf der Wiese am Meer mit meinem selbst gemachten Kaffee stand, dachte ich: „Mensch, das ist Freiheit.“ Allerdings habe ich keine Minute zu früh zusammengepackt. Kaum auf dem Moped gab es die ersten Regentropfen. Ab der Mitte Dänemarks öffnete der Himmel die Schleusen. Erst ab Hamburg war es trocken. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich in Dänemark auf der Hin- und Rückfahrt geduscht werde, hätte ich doch die Fähre Kiel-Oslo genommen. Die 620 Euro wären es mir dann wert gewesen. Na wenigstens weiß ich jetzt, dass die Motorradklamotten dicht sind. Nur die Handschuhe fühlten sich innen etwas feucht an.
Jetzt noch einen Tag, dann ist die Reise endgültig beendet.

Tag 11

Rätzlingen 9:45 Uhr – Waiblingen 20:30 Uhr (656 km)

Die letzten 600 km nach Hause und man soll es kaum glauben, das bei sonnigem aber stürmischen Wetter. Zunächst bin ich noch Landstraße gefahren. Irgendwann wurde es mir aber zu doof. 5 km geradeaus, dann eine Kurve, dann wieder 5 km geradeaus. Und das bei starkem, böigem Seitenwind. Bei Salzgitter bin ich bis Göttingen auf die Autobahn. Durch die Kasseler Berge bin ich noch mal auf die Landstraße und habe mich zwischen zwei schwarze Wolken durchgemogelt. Anschließend ging es noch mal bis kurz vor Würzburg auf die Autobahn, ab da nur noch Landstraße.
Einen Kaffe gab es keinen mehr, dafür habe ich in Bühlerzell bei Rolf einen Einkehrschwung gemacht. Ein fast vergessenes Gefühl, bei warmen Temperaturen in der Sonne zu sitzen. Für das letzte Stück nach Hause habe ich dem Navi gesagt, es soll mich auf dem kürzesten Weg ans Ziel bringen. Über was für geniale Sträßchen ich da geführt wurde war ja mehr als genial. So hatte ich zum Schluss noch mal richtig Spaß.

Fazit

Norwegen war mal wieder eine Reise wert und es waren 5230 schöne Kilometer. Es hätte nur etwas wärmer und trockener sein dürfen.
Was die Anreise betrifft stellt sich die Frage was besser ist. Kiel-Oslo oder Hirtshals-Kristiansand. Ich denke das ist Geschmacksache. Es stellt sich die Frage 800 km mehr über langweilige dänische Straßen zu fahren oder 480 Euro mehr zu bezahlen und 34 stunden länger auf einer Fähre zu sitzen (die Zahlen gelten für Hin- und Rückfahrt zusammen). Wild zu campen ist in Norwegen kein Problem und eine gute Option. Campingplätze gibt es wie Sand am Meer und diese haben immer Hütten, die man mieten kann wenn mal schlechtes Wetter ist. Es braucht also nichts vorab gebucht zu werden und man kann einfach drauf los fahren (zumindest im August).
Das ist auch die beste Art Norwegen zu entdecken. Fahren ohne zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein zu müssen. Immer mal wieder anhalten um die atemberaubende Landschaft auf sich wirken zu lassen. Wer nur durchrauscht um sein Etappenziel oder den Tageskilometerschnitt zu erreichen verpasst was. Und spätestens dort, wo es nur mit Fähren weiter geht, braucht man Zeit, denn die fahren nicht im Minutentakt.
Kurz gesagt, wer Norwegen bereist und nicht berast hat mehr davon und so ist auch das Speed Limit von 80 km/h kein Hindernis, sondern eine Erinnerung zu genießen.
Auch sprachlich stellt Norwegen kein Problem dar, da alle Norweger fließend Englisch sprechen. Die Hinweisschilder versteht man auch meist, da viele norwegische Wörter Ähnlichkeit mit dem Deutschen und Englischen haben. Und Norwegen ist ein tolles Land zum Motorradfahren, denn es gibt viele kleine, kurvige Sträßchen, die aber zum Teil in schlechtem Zustand sind. Ich war manchmal froh eine GS zu haben. Und ich war froh eine gute und anpassbare Ausrüstung zu haben, denn das Wetter kann sich sehr schnell von Minute zu Minute und von Kurve zu Kurve ändern. Wegen dem instabilen Wetter ist es besser keine bestimmte Reisezeit anzupeilen, sondern zu warten, bis es eine stabile Hochdrucklage gibt und dann spontan loszufahren.
Norwegen, ein abwechslungsreiches und aufregendes Land, das als Motorradziel lohnt.

Getagged mit: ,
Veröffentlicht unter Motorradtour, Reisebericht

Schreibe einen Kommentar

Anmelden um einen Kommentar abzugeben.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*