Trans-Nord-Amerika – von Alaska nach Florida

Von Seattle nach Daytona Beach

Mt. St. Helens

Mt. St. Helens

Nachdem ich Julia zum Flughafen gebracht hatte, fuhr ich in Seattle noch zu den Boeing Werken, besuchte Touratech USA und habe in einem Waschsalon meine komplette Wäsche gewaschen. Und dann ging es endlich raus aus der Stadt, hinein in die Natur zu den Vulkanen Washingtons. Zunächst vorbei am Mt. Rainier, der schon von Seattle aus einen imposanten Eindruck machte. Bei Touratech  bekam ich den Tipp die 25 östlich vom Mt. St. Helens zu nehmen. Das war ein Kurvenrausch wie ich ihn auf dieser Tour kein zweites mal erleben sollte. Allerdings schaute ich auch immer wieder in den Rückspiegel, doch da war keine rote KLR mehr, die mir mit Julia folgte. Der Ausbruch des Mt. St. Helens 1980 war einer der stärksten Vulkanausbrüche des 20 Jahrhunderts. Der halbe Berg wurde weggesprengt und der Anblick lässt einen sehr klein vorkommen angesichts der Naturgewalten. Die Zerstörungen sind heute noch zu sehen, überall liegen Bäume rum, die wie Streichhölzer umgeknickt wurden.

Columbia River

Columbia River

Südlich vom Mt. St. Helens kam ich zum Columbia River, der die Grenze zwischen Washington und Oregon bildet. Der Fluss fließt durch eine weite und beeindruckende Schlucht. Ich folgte dem Fluss Richtung Osten auf einem historischen Pfad, dem Lewis & Clark Trail. Der Blick zurück bot einen tollen Blick auf einen der Vulkane. Allerdings fragte ich mich, warum Washington den Slogan „the evergreen state“ hat. Denn das Grün des pazifischen Regenwaldes wurde inzwischen ersetzt durch braunes Steppengras, und es war sehr windig. Bei einem Fotostopp stand mein Motorrad nicht richtig auf dem Seitenständer und wurde umgeblasen. Und hier zeigte sich wieder die Hilfsbereitschaft der Amerikaner. Ein riesen Truck bremste, kam erst 100 m weiter zum stehen und der Fahrer rannte zurück um mir beim Aufheben zu helfen. Ich fuhr weiter durch nette kleine Ortschaften und bis zum Horizont reichende Getreidefelder Richtung Idaho.

Waldbrände in Idaho

Waldbrände in Idaho

Hier wurde ich mit Waldbränden empfangen. Die Sicht wurde immer schlechter und reichte zum Teil nur noch wenige hundert Meter weit. Bei einem Stopp erzählte mir ein Amerikaner, dass der Rauch schon seit über 4 Wochen in der Luft hängt. Ich merkte auch schon, wie der Hals kratzig wurde und den Geruch hatte ich noch Wochen später im Helm. An der Grenze zu Montana kam ich über einen Pass auf 2.600 hm. Hier war die Luft klar und an den Lolo Hot Springs schlug ich das Zelt auf. Die Brände waren aber nicht weit, denn schon nach kurzer Zeit lag Asche auf meinem Zelt. Und am nächsten Morgen waren das Zelt und das Motorrad mit Eis bedeckt.

Lolo Hot Springs

Lolo Hot Springs

Eigentlich wollte ich durch die Berge Montanas zum Westeingang des Yellowstone Nationalparks. Allerdings erzählte mir ein Ranger, das auf meinem geplanten Weg schon ganze Ortschaften wegen der Waldbrände evakuiert wurden. Er meinte „Monatana is on fire“ und die Brände sind zu groß um sie zu löschen. Es wird gewartet bis zum nächsten Regen, der wird aber erst im Oktober kommen, dauert also noch ein paar Wochen. So hielt ich mich möglichst im Norden um dem Rauch und den Flammen auszuweichen. Allerdings holte mich schon bald der Rauch wieder ein und ich beschloss möglichst schnell über die Interstate 90 Richtung Bozeman zum Nordeingang des Yellowstone zu fahren.

Bison im Yellowstone

Bison im Yellowstone

Da die Campingplätze im Nationalpark sehr schnell ausgebucht sind, fuhr ich morgens früh in den Yellowstone zum Norris Campground, der recht zentral liegt. Ich hatte Glück und bekam den letzten freien Platz. Am Eingang des Parks kaufte ich mir einen Jahrespass, der in allen amerikanischen Nationalparks gültig ist.
Der Yellowstone ist ein unheimlich schöner und beeindruckender Fleck Erde. Wälder, Prärie, Flüsse, Wasserfälle, heiße Quellen, Geysire, überall raucht und brodelt es. Und zur Krönung kann es auch vorkommen, dass die Straße wegen einer Bison Herde blockiert ist. Hier stellt die Natur wieder sehr anschaulich ihre Kraft zur Schau und ich spürte, wie unbedeutend wir Menschen in diesem Naturschauspiel doch sind und wie wichtig es ist dies zu erhalten. Und es ist schön, dass die Amerikaner mit ihren Nationalparks damit sehr konsequent sind.

Spouter Geyser

Spouter Geyser

Eine besondere Gefahr stellen allerdings die Raben dar. Die sind ausgesprochen intelligent und  kenne keine Scheu. Sie klauen alles was nicht niet- und nagelfest ist und hüpfen auch mal durch eine offene Tür in ein Auto. Als ich von einem Rundgang durch das Norris Basin zurück kam, saß ein Rabe auf meinem Motorrad und hatte an der Lenkertasche schon die Verschlusskappe und den halben Reißverschluss offen. Aber auch Bären scheinen nicht weit zu sein, nur wenige Meter hinter meinem Zelt habe ich Spuren von ihnen gefunden. Und in der zweiten Nacht hörte ich von morgens 5 bis um 7 die Wölfe heulen, ein unglaubliches Gefühl. Der Park liegt auf über 2.000 hm und die Nächte waren recht kühl. Wir hatten Nachts -6 Grad Celsius, weshalb mir mein Nachbar eine Decke anbot.

Grand Teton NP

Grand Teton NP

Mit vielen tollen Eindrücken verließ ich den Yellowstone durch den Südeingang und kam dabei durch den Grand Teton NP. Dieser eignet sich besonders zum wandern, klettern und biken. Auf dem Weg in Richtung Süden zum Bear Lake bekam ich noch einen schönen Eindruck vom herbstlichen Wyoming. Der Norden von Utah überraschte mich mit hohen Bergen und einem gelb-braun gefärbten herbstlichen Wald. Der höchste Pass führte mich über beeindruckende 3272 hm. Da ich mich auf dem Colorado Hoch Plateau befand, ging es auch nicht mehr unter 2.000 hm. Jetzt ist es auch verständlich, warum Utah den Slogan „better snow“ hat.

Herbst in Utah

Herbst in Utah

Dabei dachte ich bei Utah bisher immer nur an Wüste und Felsformationen, die sollten aber noch kommen. Ein paar offroad Strecken von denen ich mir im Internet die Tracks runter geladen hatte konnte ich hier auch noch fahren. Ich war aber nicht der einzige mit dieser Idee, mir sind einige ATVs entgegen gekommen.
Auf dem Weg nach Süden sah ich noch den Mormonen Tempel in Manti und das Landschaftsbild änderte sich mehr und mehr in das Bild, wie ich es von Utah im Kopf hatte.

Im Süden von Utah fuhr ich als erstes den Zion NP an. Eine schöne, rote und geschichtete Felslandschaft. Mit dem Fahrzeug ist man schnell durch den Park gefahren. Die Stichstraße in das Zentrum des Parks ist jedoch für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Mit Bussen kann man sich zu verschiedenen Wanderstrecken bringen lassen. Dazu hatte ich aber keine Lust.

Bryce Canyon

Bryce Canyon

Auf dem Weg zum Bryce Canyon hörte ich im Red Canyon plötzlich heimatliche Klänge: „Guck ein Schwob!“ rief jemand als er mein Motorrad sah. Die Schwaben sind auch überall 🙂 Obwohl ich schon mal im Bryce Canyon war, war ich wieder erstaunt über die Felsformationen die wie Finger in den Himmel ragen. Man kann es nicht beschreiben, man muss es gesehen haben und auch die Bilder können den Eindruck nicht richtig wieder geben. Auf einem Rastplatz sah ich dann ein Motorrad an dem eine deutsche Fahne hing. Es war Fred, der schon seit 7 Jahren mit dem Motorrad alleine in der Welt unterwegs ist. Wir wollten beide in die gleiche Richtung und so bildeten wir für die nächsten Tage eine Fahrgemeinschaft.

Highway 12

Highway 12

Nach dem Bryce Canyon ging es auf der 12 Richtung Nord-Osten, vorbei an den Grand Staircase Escalante zum Capitol Reef NP. Und wow war das irre. Eine Felslandschaft wie in einem Science Fiction Film auf einem anderen Planeten. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Die 12 ist ein absolutes Muss für jeden der in der Gegend ist, einfach gigantisch. Und wen habe ich hier auf dem Campingplatz wieder getroffen: Cindy und Bill aus Florida, die Julia und ich schon in Hyder, Alaska am Bear Observation Deck getroffen hatten. Sie luden mich zum Abendessen in ihr Motorhome ein. Es gab lecker Steak, Ofen-Kartoffeln und Rotwein.

Capitol Reef

Capitol Reef

Am nächsten Tag fuhren Fred und ich auf einer gut präparierten Piste in den Capitol Reef NP. Es ging durch kleine Schluchten und vorbei an rot gefärbten Bergen aus nacktem Fels. Aber auch außerhalb des Nationalparks war die Landschaft nicht weniger beeindruckend, hier war die vorherrschende Farbe jedoch grau. Und dann kam das letzte Stück auf der 24 nach Norden zur Interstate 70. Das war die Fahrt durch das große Nichts. Plötzlich keine Berge mehr dafür eine flache Prärie und nur kerzen gerade aus. Wir spulten die letzten Kilometer runter und gingen zwischen dem Canyonlands NP und dem Arches NP auf einen Campingplatz.

Canyonlands

Canyonlands

Der Canyonlands NP ist einer der schönsten die ich bisher gesehen habe. Der Green und der Colorado River haben hier schöne Canyons geschaffen, die teilweise wie Einbrüche im flachen Land aussehen. Man kann fast wie vom Flugzeug von oben auf die Canyons runter schauen. Die Fernsicht war aber schlecht, da der Rauch von den Waldbränden in Idaho und Montana bis hier runter gekommen ist.
In Moab haben wir zwei aus München getroffen, die mit ihrem Landrover auf Tour sind. Sie waren eine Zeit lang mit Kati und Jens, die Julia und ich in Alaska getroffen hatten unterwegs. Die Welt ist doch klein. Da wir nicht mit Motorrad Klamotten lange marschieren wollten, gaben sie uns ein paar Empfehlungen, welches die, ohne lange Wanderung, am einfachsten zu erreichenden Sehenswürdigkeiten im Arches NP sind.

Double O Arche

Double O Arche

Ein Tipp war der Double Arche. Dummerweise haben wir Double Arche mit Double O Arche verwechselt. Und so hatten wir doch eine Kilometer lange Wanderung über felsige Pfade und nacktes Gestein incl. kleiner Klettereinlagen. Na ja, immerhin waren wir damit etwas abseits vom Haupt-Touristen-Strom unterwegs. Bis wir zu den Motorrädern zurückgekommen sind, war es schon fast dunkel und wir fuhren zum Campingplatz. Am nächsten Tag bogen wir bei der Weiterfahrt nochmal in den Arches ab um uns den Rest anzuschauen. Diesmal war es aber unerträglich heiß und in den Motorrad Klamotten machte das keinen Spaß. Wir wollte weiter und wieder kühlenden Fahrtwind spüren und haben deshalb die Hauptattraktion, den Delicate Arche, das Wahrzeichen von Utah, verpasst.

Wir fuhren weiter nach Süden in the Needles, dem südlichen Teil des Canyonlands NP, der komplett anders aussieht als der nördliche Teil. Hier gibt es Felsformationen die wie Pilze aussehen. Aus der Ferne sehen manche Felsen aus wie die Skyline einer amerikanischen Großstadt.

Natural Bridges

Natural Bridges

Nach den Canyonlands fuhren wir westlich des Hwy 191 die Berge hoch und plötzlich waren wir wieder in einem herbstlichen Wald. Ein totaler Gegensatz zur felsigen Wüste davor. Doch kaum den Berg runter dominierten wieder Felsen das Landschaftsbild. Wir waren im Natural Bridges NP. Steinbögen wie im Arches, aber viel größer. Das waren richtige Steinbrücken über die LKWs hätten fahren können.

Monument Valley

Monument Valley

Und dann standen wir plötzlich an der 261 hoch oben an einer Abbruchkante und blickten hinab in die Ebene des Monument Valley. Ein Anblick wie aus einem Wild West Film, mit den roten steinigen Monumenten. Eine Schotterpiste führte uns in Serpentinen nach unten in die Ebene. Die Gegend ist Stammesgebiet der Navajo Indianer. Deshalb gilt der National Park Ausweis hier nicht und man muss an der Hauptattraktion, den drei berühmten Monumente die im Zentrum des Monument Valley liegen, extra Eintritt zahlen. Allerdings ist die Piste, die weiter in das Gebiet hinein führt, für Motorräder gesperrt.

Antelope Canyon

Antelope Canyon

Wir machten uns auf die Suche nach einer Übernachtungsgelegenheit. Campingplätze gab es keine, neben der Straße waren Zäune wodurch auch wild campen nicht ging. Als wir auf den Hwy 160 stießen mussten wir eine Entscheidung treffen. Im Ort gab es nur ein freies Hotel in dem das Zimmer 200 $ kostete. Ich wollte weiter Richtung Westen nach Page, Fred wollte nach Osten zu Four Corners. Da ihm das Hotel zu teuer war, verabschiedeten wir uns voneinander. Ich hatte keine Lust mehr zu fahren, bis Page war es noch ein ganzes Stück und auf dem Weg gab es keine Aussicht auf eine Übernachtungsmöglichkeit. So nahm ich das teure Zimmer. Und es war sehr komfortabel, ich habe sau gut geschlafen und konnte American Football schauen. Die NFL Saison hatte angefangen und ich ging immer wieder in ein Motel um mir das Monday Night Game anzuschauen.

Colorado River Turn

Colorado River Turn

Für mich ging es nun alleine weiter, die etwas über 100 km, zum Lake Powell nach Page. Auf dem Camping Platz buchte ich gleich für den nächsten Tag eine Tour zum Antelope Canyon. Der Antelope Canyon ein absolutes Muss. Touren können im Ort gebucht werden, auf eigene Faust kann man nicht zum Canyon, da dieser im Indianer Gebiet liegt. So war es auch recht bequem, denn ich wurde am Campingplatz abgeholt und auch wieder zurück gebracht und konnte die Tour ohne Motorrad-Klamotten machen. Mit Pickups ging es auf einer Sandpiste zum Eingang, ein schmaler Durchgang im Fels. Und im Canyon öffnete sich eine Traumwelt. Durch einen schmalen Spalt in der Decke fällt mal mehr und mal weniger Licht herein. Der Fels zeigt gestreifte und geschwungene, fast organische Strukturen die im Laufe der Jahre durch Wasser geformt wurden. Ein Spiel aus Licht und Schatten, ein Wunder der Natur. Zum Sonnenuntergang bin ich noch zum Horse Shoe, der berühmten Stelle, etwas südlich von Page, an der der Colorado River einen engen Bogen macht.

Piste in Arizona

Piste in Arizona

Über Flagstaff fuhr ich weiter nach Süden zum Meteoriten Krater in Arizona. Dieser ist die weltweit am besten erhaltene Einschlagstelle. Unglaublich welch großes Loch ein Fels aus dem Weltall reißen kann. Ja und dann nahm ich eine direkte Verbindung vom Krater nach Süden Richtung Phoenix.  Anfangs noch eine gute Schotterpiste wurde die Strecke immer schlechter und hatte bald die Qualität der Ligurischen Grenzkammstrasse in Italien. Ich überlegte mir noch um zu drehen, doch nach einem holprigen Stück bergab blickte ich zurück und dachte: Ne, da komm ich nicht mehr rauf, also weiter. Der Zustand der Piste verschlimmerte sich immer mehr. Irgendwann stand ich in einem ausgetrockneten Bachbett und wusste nicht weiter. Das Navi zeigte an den Hang hoch und dann nur noch 2 km bis zur Straße. Da war aber nichts, was nach Weg aussah, der Hang war teilweise weggebrochen. Eine Stelle sah aus wie ein kleiner Trampelpfad im Geröll, also gab ich der 800er die Sporen und trieb sie den Berg hoch. Keine Ahnung, wie ich da hoch gekommen bin, auf jeden Fall erreichte ich nass geschwitzt die Straße.

Apache Trail

Apache Trail

In Phoenix hatte es inzwischen weit über 30 Grad Celsius und ich war froh, dass ich ab dem Apache Junction über die 88 in die Berge kam. Diese, Apache Trail genannte Piste, führt Richtung Osten zum Roosevelt Lake. Es geht durch eine Bilderbuch Wild West Landschaft mit vielen Kakteen. Von dort fuhr ich über eine weitere Schotter Piste, der 288, nach Norden. Es gab ganz übles Waschbrett, dummerweise immer in den Kurven, so dass ich nicht mit Geschwindigkeit für Fahrkomfort sorgen konnte. Schließlich erreichte ich auf der 260 wieder Asphalt und hatte meine letzte Camping-Nacht in einem Wald.

New Mexico

New Mexico

Nun begann die lange und öde Fahrt nach Osten, über meist gerade Strecken durch New Mexico und Texas. Die einzigen Highlights über hunderte von Kilometern waren eine Station mit Radio Teleskope, ein Lava Feld und die Alienstadt Roswell, die aber gar nicht so Alien verrückt ist wie man denkt. Was es auch nicht gab, waren Campingplätze, hier im Süden scheinen sie nicht auf Camper eingestellt zu sein. An der Grenze zu Texas begannen eine neue Zeitzone und das schlechte Wetter. Das sollte mich bis zur Atlantik-Küste in Florida begleiten. Ein heftiges Gewitter vor mir zwang mich zu einer Pause. Heftige Blitze zuckten vom Himmel und weit und breit war mein Kopf die höchste Erhebung. Ich fuhr südlich an Dallas vorbei und außer Ölpumpen, Pferde und Ranges gab es nichts zu sehen.

Camp Louisiana

Camp Louisiana

Kurz vor Louisiana wurde es sumpfig und ich fand einen Campingplatz an einem See. Unter einem Dach konnte ich mein Motorrad abstellen und das Quartier aufschlagen. Es war so warm, dass ich dachte ich schlaf direkt auf dem Picknick Tisch unter dem Dach und bau das Zelt nicht auf. Blöde Idee. Erst nervten die Stechmücken, dann windete und regnete es so heftig, dass es den Regen unter das Dach geweht hat und ich nass wurde. Nass erreichte ich auch New Orleans. Zum Glück hatte ich ein Zimmer im Internet reserviert, denn es war alles ausgebucht. Mit dem Taxi fuhr ich ins French Quarter und schaute mir das bunte Treiben dort an. Eine einzige Partymeile, aber bei den hohen Temperaturen, Regen und der daraus resultierenden extremen Luftfeuchtigkeit eine schweißtreibende Sache. Je später der Abend, desto voller wurde es und mir zu viel.

Entlang der Küste verließ ich die Stadt und fuhr vorbei an Zeugen des letzten Hurrikans Isaac. Boote und Schutt lagen am Straßenrand. Die Häuser werden vorsorglich auf Stelzen gebaut und es waren sogar recht ansehnliche Gebäude dabei. Die Häuser in Mississippi und Alabama strahlten Südstaaten Flair aus. Und dann stand vor mir ein Schild: Welcome to Florida. The sunshine state. Fast ein Hohn, von Sonne war nichts zu sehen, dafür gab es um so mehr Pfützen.

Pensacola Beach

Pensacola Beach

Eine Schlechtwetter Front zog von Südwesten genau auf meinem Weg herauf. Es gab Streckensperrungen wegen Überschwemmungen und Tornado Warnungen. Ein beunruhigendes Gefühl wenn deshalb plötzlich das Fernsehprogramm unterbrochen wird. Dieser Front folgte direkt eine Zweite. Seit New Orleans hatte ich es geschafft irgendwie zwischen diesen beiden Fronten zu fahren. In Pensacola holte mich die zweite Front ein. Ich machte einen Tag Fahrpause und schaute mir auf der Naval Air Base, der Heimat der Navy Kunstflugstaffel Blue Angels, das Museum an. Bei deutlich besserem Wetter konnte ich entlang der idyllischen Golf-Küste, mit traumhaft schönen Sandstränden, weiter fahren.

Regenwetter

Regenwetter

Nach einer weiteren Zeitzone und tausenden von Kilometern erreichte ich schließlich den Atlantischen Ozean. Ich hatte es geschafft, von Alaska und dem Pazifischen Ozean, quer durch den Nord-Amerikanischen Kontinent bis zur Atlantik-Küste in Florida. In Daytona Beach bezog ich ein Hotel am Strand mit Meerblick. Von Süden kam schon die nächste Schlechtwetter Front. Mit zum Teil sintflutartige Regenfälle, hohen Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit, dass einem selbst in kurzen Sachen der Schweiß nur so runter lief, wenn man das klimatisierte Hotelzimmer verließ. Da ich schon in Key West war und Motorrad fahren bei diesen Witterungsbedingungen keinen Spaß macht, beschloss ich etwas im Hotel zu entspannen und nicht weiter in den Süden Floridas zu fahren. Dank der Hilfe von Julia aus Deutschland konnte ich meinen Heimflug umbuchen.

Regenwetter

Regenwetter

Zum Schluss fuhr ich nach Orlando und brachte mein Motorrad zu DHL. Das klappte diesmal problemlos. Ein Lagerarbeiter half mir noch das Motorrad auf der Transportschiene zu verzurren. Ich schenkte ihm meine übrig gebliebene Gaskartusche über die er sich sehr freute. In Orlando habe ich dann auch meinen ersten nicht so ganz gut gebildeten Amerikaner getroffen. Er meinte, dass man nicht von Alaska nach Florida fahren kann, da Alaska nicht mit Amerika verbunden sei.  Und ein Taxifahrer hat mich auf die Euro-Krise angesprochen und wollte wissen was da speziell in Griechenland los sei. Er meinte: Du bist aus Deutschland? Dann gehen Deine Steuergelder ja nach Griechenland. Sehr witzig. Darauf wurde ich auf der Reise öfters angesprochen.

Und so verabschiedete ich mich von Amerika und den vielen netten Menschen und flog mit schönen Eindrücken zurück nach Deutschland.


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Veröffentlicht unter Motorradtour, Reisebericht, Trans-Nord-Amerika
2 Kommentare auf “Trans-Nord-Amerika – von Alaska nach Florida
  1. avatar Uwe Fitterer sagt:

    Hi Marco,
    haben uns Deine wunderschönen Bilder bei dem nervigen Regenwetter angeschaut und wurden doch sehr erheitert.
    Einfach wunderbar !

    Gruß Uwe und Jutta Fitterer

  2. avatar Thomas sagt:

    Das ist das wo von ich immer Träume.Aber es ist so Bequem in Deutschland, und seine Fesseln bekommt man so leicht auch nicht los.
    Respekt zolle ich euch beiden!

    Gruss
    Thomas PS: Der kein Mut hat

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