Von Gibraltar in die Pfalz

Von Gibraltar durch Spanien zur Atlantikküste der Pyrenäen und auf der Südseite bis zum Mittelmeer. Nach Frankreich und durch das Zentralmassiv nach Norden. Schließlich über die Vogesen zurück nach Deutschland.

Nachdem ich den westlichsten und den südlichsten Punkt von Europa erreicht hatte, machte ich mich wieder auf den Weg nach Norden, bzw. Nord-Osten.
Von Gibraltar aus fuhr ich auf einer netten Strecke Richtung Granada. Jetzt weiss ich auch, wo die spanischen Oliven her kommen. Genau da bin ich durch gekommen. Olivenbäume so weit das Auge reicht.

Olivenbäume in Spanien

Olivenbäume in Spanien

Und wenn man über einen Berg gefahren ist, was sieht man, Olivenbäume.

Olivenbäume in Spanien

Olivenbäume in Spanien

Und dann gab es da noch…Olivenbäume.

Olivenbäume in Spanien

Olivenbäume in Spanien

Der erste Campingplatz den ich anfahren wollte war gar nicht so einfach zu finden. Ich musste über holprige, ausgewaschene und verblockte Feldwege. Und dann hatte der zu. Der nächste war 80 km entfernt. Da es nichts ausser Olivenbaum-Plantagen gab und ich das Zelt dort nicht aufstellen wollte, machte ich mich auf den Weg. Der zweite Campingplatz hatte auch zu, der Dritte existierte nicht. So bin ich frustriert nach Granada rein gefahren und hab das erste Hotel aus dem Navi angefahren, hat auch nicht existiert. Ich bin erst mal zum Burger King und habe etwas gegessen. Und da direkt neben dem King gab es ein Sidorme Hotel. Eine Kette wie das Etape nur viel hochwertiger. Für 49 Euro incl. Frühstück, Tiefgarage und WIFI habe ich eingecheckt.
Das Wetter in Granada sah ganz bescheiden aus. Dunkle Wolken und die Berge in den Wolken verschwunden. Ich bin zunächst nach Alhambra und habe auf dem Weg schon meine erste kräftige Schauer abekommen. Alhambra ist ein ordentlicher Touri-Nepp. Viele Busse und noch mehr Leute mit Kopfhöreren und Abspielgeräten um den Hals. 13 Euro und viel zu viel los, ich hab umgedreht. Den Weg zum Pico de Veleta habe ich mir wegen dem Wetter gespart. Das war auch gut so, zum einen war er in den Wolken, zum anderen habe ich am nächsten Tag erfahren, dass es in den Sierras ordentlich Neuschnee gegeben hat.  Auf dem Weg nach Norden gab es die nächste kräftige Dusche. Den konkreten Routenverlauf machte ich vom Himmel abhängig. Immer die Strasse nehmen in deren Richtung keine schwarzen Wolken sind. So konnte ich einige Schauer umfahren. Immerhin hat mich das durch nette Landschaften und über kleine Strasse geführt, natürlich auch durch Olivenbäume.

kleine Wege durch Spanien

kleine Wege durch Spanien

Im Nationalpark „Sierras de Cazorla“ gab es keine Alternativen und nur eine Strasse. Eigentlich genial, tolle Landschaft und Kurven, aber halt nass.

Nationalpark "Sierras de Cazorla"

Nationalpark "Sierras de Cazorla"

Das Wetter hat sich minütlich geändert, mal Sonne, mal Regen, mal Hagel. Es hatte zwar nur zwischen 6 und 11 Grad und wenn es mal einen Schauer gab, war der nach wenigen Minuten wieder vorbei. Also Augen zu und durch. Allerdings hatte ich noch ein anderes Problem. Seit Seveilla hatte ich starken Wind. Seit Granada kann von starkem Wind keine Rede mehr sein, es stürmt dass sich die Bäume biegen und man kaum gerade aus fahren kann. Bei Temperaturen zwischen 6 und 11 Grad hat das mit Fahrspaß nichts mehr zu tun. Über die 210 bzw. 202 südlich von Calatayud ging es weiter nach Norden. Zum einen landschaftlich sehenswert und auch mit schönen Kurven versehen. Dabei ging es auch durch eine Schlucht mit wunderschönen Felsformationen.

Felsformationen in Spanien
Felsformationen in Spanien
Felsformationen in Spanien

Felsformationen in Spanien

Alte Burgen waren auch zu sehen.

Burg in Spanien

Burg in Spanien

Zwischen den Bergen gab es auch mal windgeschützte Ecken. Sonst musste ich mir einen Windschutz suchen um eine Kaffepause zu machen.

Windschutz

Windschutz

Kurz vor Calatayud sind mir wieder sehr viele Greifvögel aufgefallen. Da sie hier teilweise recht tief flogen hab ich mir Zeit für ein kleines Photoshooting genommen. Auf den Bildern konnte ich dann auch erkennen, dass es Geier sind.

Geier in Spanien
Geier in Spanien

Geier in Spanien

Dabei habe ich auch einen erwischt, wie er gerade sein Nest anfliegt in dem neben dem Weibchen auch ein Junges war.

Geier-Nest
Geier-Nest

Geier-Nest

In Tudela bin ich in den Nationalpark Bárdenas Reales, eine Halbwüste mit bizarren Steinformationen. Zunächst fuhr ich auf der Asphaltstrasse die halb herum und teils durch den Park führte. So eindrucksvoll war das nicht, also bin ich noch über die Piste mitten durch den Park gefahren, wow. Das ist eine eindrucksvolle Landschaft. Die Piste ist leicht zu fahren und 38 km lang.

Nationalpark Bárdenas Reales
Nationalpark Bárdenas Reales
Nationalpark Bárdenas Reales
Nationalpark Bárdenas Reales
Nationalpark Bárdenas Reales
Nationalpark Bárdenas Reales
Nationalpark Bárdenas Reales

Nationalpark Bárdenas Reales

Richtung Pyrenäen sah das Wetter nicht so gut aus. Am Rande der Berge habe ich immer mal wieder Regen ab bekommen, dann war wieder Sonne. Ich wußte gar nicht wohin fahren. Da wo gerade noch eine Wasserwand vom Himmel zu sehen war, klarte es 1 Minute später wieder auf. Also beschloß ich einfach mal meine Route zu fahren in der Hoffnung, dass es schon gehen wird. Zunächst war das auch so, meist hatte ich Sonne, ab und zu Regen. Die Flüsse führten auch sehr viel Wasser.

Hochwasser

Hochwasser

Dann fuhr ich mitten in die Pyrenäen rein und das war keine so gute Idee. Es ging über den Hauptkamm in Richtung Frankreich. Zunächst klarte es immer wieder auf doch dann fuhr ich im Dauerregen. Die Flüsse waren auch übervoll mit Wasser und überall stürzte es von den Bergen runter, ein eindrucksvolles Schauspiel. Schließlich kam noch Nebel dazu und ab 1500 hm lag Schnee. Die Strasse war zum Glück geräumt. Auf der französischen Seite war das Wetter ganz mies. Über ein mini Sträßchen fuhr ich zum nächsten Pass und über diesen zurück nach Spanien. Und da schien ein blauer Himmel als wenn nie etwas gewesen wäre. Der Blick zurück sah anders aus.

Schlechtes Wetter in den Pyrenäen

Schlechtes Wetter in den Pyrenäen

Auf der spanischen Seite der Pyrenäen kommt man wirklich sehr schnell voran, da die Strassen super ausgebaut sind. Ich hatte nur ein kleines Stück auf der 260 das durch eine irre Schlucht ging, das nicht breit ausgebaut war.

Enge Schlucht in den Pyrenäen

Enge Schlucht in den Pyrenäen

Blöderweise waren da einige LKW unterwegs und die zu überholen war nicht leicht.
Der Port de la Bonaigua führte mich bis auf 2072 hm, hier lag noch etwas Schnee.

Schneegrenze in den Pyrenäen

Schneegrenze in den Pyrenäen

 

Port de la Bonaigua

Port de la Bonaigua

Die Temperaturen waren allerdings angenehm und so konnte ich eine schöne Mittagspause auf dem Pass machen. Am späten Nachmittag war ich bereits in Andorra und nach dem günstigen Tanken machte ich mich auf die Suche nach neuen Reifen, denn mein Vorderreifen war absolut fällig und mein Hinterer so gut wie. Auf keinen Fall wäre ich mit denen noch bis nach Hause gekommen. Es war gar nicht so einfach jemanden zu finden, der Motorradreifen hatte und dann noch in meiner Größe. Und das obwohl der ganze Ort fast nur aus Auto- und Motorradhäuser und Reifenhändler zu bestehen scheint. Letzlich fand ich einen und jetzt habe ich neue Metzler Enduro 3 Sahara für komplett mit Montage 242 Euro drauf. Andorra ist eigentlich ein Ort zum durchfahren und nicht zum verweilen, da es aber spät geworden ist, habe ich hier den Campingplatz aufgesucht, der wegen der Strasse, viel zu laut ist.
Der Weg aus Andorra ging über den Port d’Envalira der mich auf 2407 hm führte.

Port d'Envalira

Port d'Envalira

Es ging ein Stück durch Frankreich und dann wieder nach Spanien auf die N260 die ich nun schon öfters gefahren bin. Und wow sie war wieder ein Höhepunkt. Auf einer Strecke von über 40 km schlängelte sich das, spanisch typische, perfekte Asphalt-Band über die Berge. Vom Charakter erinnerte mich die Strecke an den Niger Pass in den Dolomiten, ein Kurvenrausch mit richtig gutem Flow. Ich war froh neue Reifen zu haben, zum einen fuhr die Mühle wieder deutlich besser und das Kurvenfahren machte richtig Spaß. Der Col d’Ares brachte mich zurück nach Frankreich und hier war ich erst recht froh neue Reifen zu haben. Ich bin ja einiges an rauhem Asphalt in Frankreich gewöhnt, aber die D115 vom Pass runter hat den Vogel abgeschossen. Das war extrem grobes Schmiergelpapier, wenn man mit der Hand drüber fuhr hat man sich die Haut aufgerissen.

Col d'Ares

Col d'Ares

Ich bin nochmal nach Spanien um die N260 an der Küste entlag zum Cap Cerbère zu fahren.

Cap Cerbère

Cap Cerbère

Eine wunderschöne Strecke mit tollen Kurven und schönen Buchten, immer an der Küste entlang.

Mittelmeer-Küste
Mittelmeer-Küste

Mittelmeer-Küste

Bei einem Fotostop rief einer „Heh Du bist ja aus Waiblingen“. Ein Landsmann aus Vaihingen an der Enz. In einer der Buchten wollte ich zum Abschied eine Paella direkt am Meer essen. Ich fand auch ein sehr schönes Restaurant in einer kleinen Bucht und bin eingekehrt. Allerdings wurde ich von den Kellnern komplett ignoriert, ob ich denen in meiner Motorradkluft nicht fein genug war.
An der französischen Strandpromenade habe ich mir noch einen großen Eisbecher gegönnt und dem Treiben am Strand zugeschaut. Schließlich fuhr ich noch in das Hinterland von Narbonne um dem Trubel zu entkommen. Ich landete auf einem Campingplatz, sofern man das so nennen kann, von einem holländischen Paar das vor vielen Jahren nach Frankreich ausgewandert ist. Alles sehr ursprünglich, scheint ein ehemaliger Bauernhof zu sein, Sanitäre Anlagen konnte ich in der Wohnung nutzen, da die drausen auf der Wiese, die für die Camper ist, nicht funktioniert haben. Auf jeden Fall sind die zwei sehr nett, sprechen deutsch nund ich war der einzige Gast.

Camping auf dem Bauernhof

Camping auf dem Bauernhof

 

Morgentau

Morgentau

Im weiteren Verlauf bin ich durch das Zentralmassif geschwungen und habe dabei die Strassen genutzt, die laut Karte landschaftlich sehenswert sind.

Im Zentralmassiv

Im Zentralmassiv

Dann steuerte ich Millau an, denn hier stand in der Karte als Sehenswürdigkeit der Viadukt von Millau. Ich habe eine alte Steinbrücke erwartet, doch bei der Ankunft wähnte ich mich in einem Science Fiction Film. Da wurde das Tal von einer gigantischen Autobahnbrücke überspannt, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Es sah aus als würde die Brücke im Himmel schweben, wirklich eine Szenerie wie aus der Zukunft.

Brücke von Millau
Brücke von Millau
Brücke von Millau

Brücke von Millau

Im Anschluß fuhr ich durch die Gorges du Tarn. Sehr nett, viele Campingplätze und Möglichkeiten zum Kajak fahren.

Gorges du Tarn
Gorges du Tarn

Gorges du Tarn

Hier deuteten sich aber schon die ersten dunklen Wolken an und ich spürte die ersten Regentropfen. Die restliche Strecke wurde von den dunklen Wolken bestimmt. Ich fuhr genau zwischen zwei Gewitterzellen durch. Rechts im Osten, links im Westen und hinter mir im Süden, schwarze Wolken und immer wieder Blitze. Nur im Norden sah es gut aus und so beeilte ioch mich nach Norden zu kommen, da die Schneiße zwischen den beiden Gewitterfronten sich langsam schloß. Ich bin wirklich haarscharf am Rande von dem Gewitter entlang, ich hätte nicht einen Kilometer nach Osten fahren dürfen.

Gewitter über Frankreich

Gewitter über Frankreich

Auf dem Weg nach Norden durch das Zentralmassiv habe ich in einem netten kleinen Dorf eingekauft. Ein kleiner Supermarkt und ein Bäcker lagen direkt nebeneinander und ich konnte alles nötige auf einen Rutsch besorgen. Ein Markt war auch noch auf der anderen Strassenseite und der Einkauf hat richtig Spaß gemacht. Alles nett, klein, französisch. Ich hatte das Gefühl so richtig in das Leben dort einzutauchen. Das hat sogar mit meinen spartanischen Französisch-Kenntnissen funktioniert.

Einkauf in Frankreich
Einkauf in Frankreich

Einkauf in Frankreich

Zwischen Lyon und Dijon bin ich nach Osten abgedreht und habe die Vogesen angesteuert. Der Campingplatz auf dem ich am Fusse des Ballon d’Allsace landete, war das einfachste was ich bisher gesehen hatte. Das war eher wild campen in Gesellschaft. Es gab keine Dusche, kein warm Wasser, kein Strom, nur ein Plumpsklo. Und es war viel Gesellschaft, vor allem Autos aus Lörrach, es war die Hölle los. Ich hatte aber keine Lust mehr einen anderen zu suchen.
Ich wollte mehr den westlichen Teil der Vogesen befahren, da ich diesen nicht so kannte. Relativ schnell bin ich dann doch bei Géradmer abgedreht und wieder auf den Klassikern Col de la Schlucht, Bonhomme, St. Marie-aux-Mines, le Hohewald usw. gelandet.

Vogesen

Vogesen

Über die Nordvogesen ging es dann in den Pfälzer Wald. Und ich muss sagen, die Vogesen sind und bleiben ein absoluter Klassiker.

So war der Weg zurück eine Verkettung von Bergketten. Der Länge nach habe ich nacheinander die Pyrenäen, das Zentralmassiv und die Vogesen durchquert.

Getagged mit: , , , , ,
Veröffentlicht unter Kurs Süd-West, Motorradtour
2 Kommentare auf “Von Gibraltar in die Pfalz
  1. avatar Mathias Graf sagt:

    Welcome back home.Wenn ich schon nicht selber auf Reisen gehen kann, bin ich es wenigstens mit Deinen Berichten und Bildern. Danke

  2. avatar Tine sagt:

    Du bist ja ganz schön flott unterwegs 😉 . Bin gespannt auf Deine weiteren Pläne.

Schreibe einen Kommentar

Anmelden um einen Kommentar abzugeben.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*