Eine Weltumrundung – nicht ganz

Von einer geplanten Weltreise, die anders kam als gedacht, trotzdem schön und voller Erfahrungen war und die Weltkugel zur Hälfte umrundet hat.

Route

Die geplante und tatsächlich gefahrene Route ist auf folgender Karte dargestellt:

  • blau: geplante Route
  • gelb: gefahrene Route Kurs Ost
  • schwarz: gefahrene Route Kurs Süd-West
  • grün: gefahrene Route Gardasee
  • rot: gefahrene Route Trans-Nord-Amerika

Bericht

Der Plan

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, oder jede Planung ersetzt sich durch die Tatsachen. Nur zwei Redensarten, die zum Ausdruck bringen, dass etwas anders gekommen ist, als geplant. Auch bei mir kam es auf meiner geplanten Weltumrundung anders als geplant. Geplant hatte ich, mit dem Motorrad und dem Zelt, in 6 Monaten, von Deutschland bis nach Florida zu fahren. Immer Richtung Osten, den langen Weg außen herum. Ich hatte ungefähr ein Jahr Vorbereitung. Die groben Eckpfeiler waren im April zu starten, durch Österreich, Ungarn, Rumänien, Ukraine, Kasachstan, Mongolei und Russland bis nach Vladivostock zu fahren. Die Fähre nach Süd Korea zu nehmen und das Motorrad von dort per Luftfracht nach Anchorage in Alaska zu bringen. Hier wollte ich mich mit Julia am 2. August treffen. 5 Wochen lang sollte sie mich durch Alaska, den Yukon und British Columbia in Kanada bis nach Seattle begleiten. Anschließend sollte es für mich alleine weiter durch die USA bis nach Florida gehen.

Die Vorbereitung

Probepacken

Probepacken

Am 2. August in Anchorage zu sein war also für mich ein Muss und der einzige fixe Termin auf der Reise. Ansonsten habe ich nur ein paar organisatorische Dinge vorbereitet und sonst alles offen gelassen. Ich hatte alle Visas durch Visumpoint bekommen, den Flug von Süd Korea nach Anchorage gebucht, mir einen Platz auf der Fähre von Vladivostock nach Süd Korea reserviert und den Motorradtransport nach Alaska und von Florida nach Hause mit DHL organisiert. Ebenso hatte ich einen Ansprechpartner in Süd Korea um das Motorrad vom Fährhafen nach Seoul zum Flughafen zu transportieren, denn Deutsche dürfen in Süd Korea nicht mit dem eigene Fahrzeug fahren. Und ich hatte diverse Kontakte, die mir unterwegs behilflich sein konnten, z.B. für neue Reifen, die ich in Ulan Baatar in der Mongolei aufziehen wollte.

Der Kurztripp

Impressionen Ungarn

Impressionen Ungarn

So fuhr ich, mit einer groben Route im Kopf, relativ gut vorbereitet, aber ohne starres Korsett im April 2012 los in das unbekannte Abenteuer. Weit bin ich aber nicht gekommen. Am dritten Tag kehrte ich in Ungarn, nicht weit von der rumänischen Grenze, in ein Hotel ein. Hier bekam ich einen Brechdurchfall, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe einen ganzen Tag zwischen Bett und Klo gependelt und bin eine weitere Nacht in dem Hotel geblieben. Die Besitzer haben sich ganz nett um mich gekümmert und gaben mir ein altes Hausmittel, Schnaps mit Pfeffer. Danach hatte ich ganz neue Probleme. Nach dem Tag Pause bin ich weiter gefahren, machte mir Mittags eine Suppe und konnte diese auch nicht in mir behalten.

 

Die Entscheidung

Mittagspause an der Isar

Mittagspause an der Isar

Den dritten Tag auf Reise und schon der erste „Zwischenfall“. Da wurde mir bewußt, dass es durchaus passieren kann, dass ich verspätet, oder gar nicht in Anchorage ankomme. Für mich ein no go, ich wollte auf jeden Fall die 5 Wochen in Alaska und Kanada mit Julia gemeinsam verbringen. Außerdem hatte sie extra ihren Jahresurlaub genommen, sowie Flug und Mietmotorrad schon gebucht. So entschied ich umzudrehen, zurück zu fahren und am 2. August mit Julia gemeinsam nach Alaska zu fliegen. War das nun ein Sieg der Vernunft, der Angst, oder der Liebe? Vielleicht von allem etwas. Ich rief Julia an und sie buchte sofort einen Platz auf dem gleichen Flug, den sie auch nach Anchorage hatte. Gerade noch rechtzeitig, es war der letzte Platz. Das live Tracking mit meinem Spot Connect, mit dem Familie und Freunde zu Hause in Echtzeit meinen aktuellen Standort sehen konnten, hat auch funktioniert. Kurz nachdem ich umgedreht hatte, bekam ich eine SMS von meiner Mutter, dass ich in die falsche Richtung fahren würde. Zu Hause wurde ich freudig und mit Respekt vor der mutigen Entscheidung empfangen. Jetzt hatte ich viel Zeit bis August. Das Angebot von meinem Chef, bei Langeweile trotz Auszeit ins Büro zu kommen, lehnte ich dankend ab, denn Langeweile kam keine auf.

Der Alternativplan

Zunächst lies ich es mir einfach nur gut gehen und entspannte. Dann machte ich eine dreiwöchige Tour in Richtung Süd-Westen. Es ging an den westlichsten und südlichsten Punkt des europäischen Festlandes, nach Portugal und Spanien. Bevor es nach Alaska ging, unternahm ich noch einen Kurztrip an den Gardasee. Und dann ging das Abenteuer Trans-Nord-Amerika los, welches fast wie geplant verlief und einen eigenen Reisebericht hat.

Die Tatsachen

Cassiar Highway

Cassiar Highway

Von der ursprünglich geplanten Strecke bin ich somit nur die Hälfte gefahren, dafür hatte ich zwei weitere schöne Touren. Die Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut, dafür habe ich einiges dabei gelernt. Die wichtigste Lektion ist, folge Deinem Herzen und mache das, mit dem Du Dich am wohlsten fühlst. Eine solche Reise macht man nicht für andere, sondern nur für sich selbst. Die zweite Lektion war, dass mir das Reisen alleine nicht mehr so viel Spaß macht, wie noch vor ein paar Jahren. Die 5 Wochen mit Julia waren die schönsten auf dem gesamten Trip. Und eine Sache würde ich jetzt anders machen. Ich würde mir mindestens eine Woche zwischen dem letzten Arbeitstag und der Abfahrt Zeit lassen. Ich hatte keine Zeit, um vom Arbeitsstress runter zu kommen und bin zu schnell und mit zu viel Hektik gestartet. Es heißt, eine Reise alleine wäre ein Trip zu sich selbst. Ich glaube das stimmt und manchmal findet man seine Wahrheit schneller als man denkt.

Blog-Beiträge

Alle Blog-Beiträge der Weltumrundung in chronologischer Reihenfolge ohne die Touren Kurs Südwest, Gardasee und Trans-Nord-Amerika:

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Veröffentlicht unter Reisebericht, Weltreise

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